Leicht sei es nicht, an diesen Titel zu kommen, sagt Detlef Tabbert. Erst zweimal habe die Stadt Templin (Uckermark) seit 1945 die Ehrenbürgerwürde verliehen: vor gut 70 Jahren an einen Landrat und vor 26 Jahren an eine Mundartschriftstellerin. Nun kommt eine Bundeskanzlerin dazu: Am Freitag wird Tabbert, Bürgermeister von Templin, auf dem Neujahrsempfang der Stadt Angela Merkel die Urkunde überreichen.

Dann ehrt ein Politiker der Linkspartei die Kanzlerin von der CDU. Tabbert hat nichts dagegen. „Damit kann ich gut leben.“ Die Laudatio hält ein SPD-Politiker, Merkels Schulfreund Bodo Ihrke – lange Jahre Landrat im benachbarten Kreis Barnim. „Bundeskanzler ist ein sehr anspruchsvoller, arbeitsintensiver Job“, sagt Tabbert. Merkel habe „viele Krisen doch ganz ordentlich gemeistert“. Man müsse politisch nicht einer Meinung sein. „Aber die Leistung eines Menschen kann man anerkennen.“

Unternehmerverband Uckermark schlug Merkel als Ehrenbürgerin von Templin vor

So hat es auch der Stadtrat gesehen, der vergangenen Sommer mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit befand, Merkel stehe für „friedliches Miteinander und humanitären Ausgleich in einer Welt mit vielen unberechenbaren Staatschefs“ und sei damit ehrenbürgerwürdig. Zwei Jahre waren da vergangen, seit der Unternehmerverband Uckermark Merkel vorgeschlagen hatte. Die hat sich etwas Zeit genommen für die Entscheidung, sich auf diese Art feiern zu lassen.

Sie war Kanzlerin, damals noch CDU-Chefin, hatte den höchsten US-Orden und Ehren-Doktorwürden. Als Ehrenbürgerin hatte sie noch keine Erfahrung. Aber immerhin Erfahrungen mit Templin. In der 16.000-Einwohner-Stadt ist sie aufgewachsen. Ihre Mutter lebt dort bis heute, Merkel ist immer wieder zu Besuch. Öffentlich macht sie das nicht. Ihre Beziehung zu der Stadt sei eng, wenngleich sie es „vermeidet, Templin als Kanzlerstadt zu zelebrieren“, stellt also der Stadtrat fest. Vielleicht ändert sich dabei gar nicht so viel, der Rückzug Merkels als Kanzlerin ist absehbar. In der Nähe von Templin hat sie ein Ferienhaus. Templin ist also bald Ex-Kanzlerinnenstadt. Merkel bekommt einen Titel, eine Urkunde und einen Blumenstrauß – mehr nicht, auch keinen freien Eintritt ins örtliche Thermalbad. (RND)