Berlin - Es wird ja seit einiger Zeit behauptet, Deutschland habe ein Sturmproblem. Mario Gomez verletzt, Miroslav Klose steinalt und Mario Götze bestenfalls eine falsche Neun. Doch neuerdings ist da mehr denn je dieser Thomas Müller, der auch im Liegen Tore schießt wie einst sein Namensvetter Gerd.

Und nach dem Abpfiff stürmt sowieso nur noch eine – die Angela nämlich, das größte Feierbiest des Weltfußballs seit Louis van Gaal, der als Meistertrainer des FC Bayern seine in bayerische Tracht gehüllten Waden über den Balkon des Münchner Rathauses hängte.

Pro forma hatte die Kanzlerin am Montag noch die Angela aus Brasilien getroffen, die eigentlich Dilma heißt und als Dilma Rousseff mit bulgarischen Ahnen das Land regiert. Tatsächlich hatte es unsere Angela nur auf den Stadionbesuch in Salvador de Bahia abgesehen. Und der gelang furios. Schon früh konnte Merkel ihre berühmte Jubelgeste zeigen – diese seltsam rechtwinklig nach oben gereckten Arme, einem Gewichtheber ähnelnd, der das Gewicht nicht ganz gestemmt bekommt. Dabei hatte sie ein orangefarbenes Jackett angelegt. Wirkte fröhlich. Derlei kriegt das Bundeskabinett nicht zu sehen.

Selfie mit Poldi

Später dann ging Stürmerin Merkel dahin, wo es stinkt und weh tut – in die Kabine also. Sie sagte, es sei schön gewesen, nach so einer langen Reise auch noch einen deutschen Sieg zu erleben, und kündigte an, wieder zu kommen – zum Finale. Gemeint war natürlich zum deutschen Finale. Der schöne Jogi fand’s klasse.

Poldi schickte ein Selfie von Angela und sich um die Welt. Kommentar: „4:0! Geiler Start!“ Und hinterher folgte das Mannschaftsfoto mit teils halbnackten Kerlen in Jubelpose. Kein Zweifel: Unsere Nationalmannschaftskicker sind die einzigen, die in Merkels Nähe folgenlos nach Schweiß riechen dürfen – außer der dauerjoggende CDU-Generalsekretär Peter Tauber vielleicht.

Nun ist ja vielleicht nicht ausgeschlossen, dass neben den Deutschen die Holländer das Finale stürmen. Dann würde Feierbiest van Gaal auf Feierbiest Merkel treffen. Die Kanzlerin müsste dann noch mehr bieten als jetzt. Das wäre fürwahr eine echte Herausforderung. Doch wenn sie ohne Verletzung bleibt und ihre übliche Leistung abruft, dann wird sie auch dieses Spiel für sich entscheiden. Merkel kann das. Da sind wir ganz sicher.