Berlin - Die Union hat es besser als Deutschland. Ihr künstlicher Stillstand ist erst mal vorüber. Womöglich ist am heutigen Montag schon der spannende Tag, an dem sich die Schwesterparteien aus CDU und CSU auf ihren Spitzenkandidaten einigen. Der Wahlkampf hat aber so oder so am Sonntag bereits begonnen. 

Markus Söder hat endlich zugegeben, was alle sowieso längst wussten: Er will Kanzlerkandidat der Union werden. „Das sind spannende Tage derzeit“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Union, Ralph Brinkhaus, am Sonntag. Da hat er recht. Allerdings ist die gute Laune über die Spannung eher ungleich verteilt.

Kanzlerkandidatur: Söder hat nur wenig zu verlieren

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Söder ist zweifellos der Herausforderer im Kandidaten-Gespann der Union. Er kann alles gewinnen und hat wenig zu verlieren. Am Sonntag hat er schon mal klargemacht, dass er gerne antreten möchte, wenn es die CDU denn will. Wenn sie nicht will, so seine Botschaft, dann werde er aber weiter gut mit Armin Laschet zusammenarbeiten. Söder ist der Hoffnungsträger, der eher von der Seitenlinie ins Spiel kam. Das weiß er und das nutzt er. Er machte am Sonntag klar, dass ihm der Wunsch, sich an die Spitze zu stellen, angetragen worden war. Hundertfach sogar. Und da stellt er sich natürlich gern in den Dienst seiner Partei. Subtext: Ich helfe gern, aber wenn ihr nicht wollt, ist es euer Fehler. Und verweist in diesem Zusammenhang mehr oder weniger dezent auf die Umfragen, die die Union im Abwind sehen, ihm aber gute Sympathiewerte bescheinigen. Kein Wunder, dass Söder gestern sehr viel breitbeiniger auftrat als Armin Laschet.

Für den geht es in dieser Woche nämlich ums Ganze. Wenn es schlecht läuft für ihn, kann er mehr verlieren als einen innerparteilichen Wahlkampf. Als CDU-Vorsitzender ist er derjenige, der eigentlich den ersten Zugriff auf die Spitzenkandidatur hat. Anders herum gesagt: Wenn er es nicht macht, stellt sich sofort die sehr unangenehme Frage, ob er als Parteivorsitzender wirklich die richtige Wahl war. Das wiederum könnte die gesamte CDU in Schieflage bringen, mehr noch als sie es jetzt schon ist. 

Konkurrenzkampf mit Markus Söder: Laschet zeigt Nerven

Am Sonntagnachmittag trat Laschet gemeinsam mit Söder vor die Presse. Er wirkte neben dem Franken sehr viel verhaltener. Neben dem CSU-Politiker kann man schnell mal defensiv wirken, doch diesmal fiel es besonders auf. Auf die Fragen der Journalisten, wie der Zeitplan, ja das genaue Verfahren jetzt aussieht, antwortete er ausweichend. Was schon ein Fehler war. Denn es ist ja Armin Laschet, der die größere der Schwesterparteien führt, die nun zu einem Ergebnis kommen müssen. Wenn er den Weg nicht vorgibt, wer dann?

Die jetzige Situation ist in der Unions-Geschichte beispiellos. Es gab in den vergangenen Jahrzehnten zweimal einen CSU-Kanzlerkandidaten, Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber. Beide wurden es aber, weil die jeweilige – schwächere – CDU-Spitze zurücksteckte, mehr oder weniger freiwillig. Kanzler wurde bekanntlich keiner von beiden.

Gut möglich, dass Söder deshalb immer darauf beharrt, dass dies eine ganz neue Situation sei. Womit er recht hat: Diesmal aber will keiner zurückstehen. Also müssen die Kontrahenten ihre Anhänger hinter sich versammeln. Für Söder haben sich bereits zahlreiche Bundestagsabgeordnete ausgesprochen. Logisch, sie sehen die schlechten Umfragewerte für die Union und fürchten um ihre Mandate.

Doch Armin Laschet kämpft keineswegs auf verlorenem Posten. Im Gegenteil, die meisten Spitzenpolitiker der CDU dürfte er hinter sich haben. Zumindest hat keiner der CDU-Ministerpräsidenten sich bisher für Söder ausgesprochen. Der baden-württembergische Landeschef Winfried Kretschmann, der gut mit Söder kann, ist ein Grüner. Man vergisst das leicht.

Armin Laschets innerparteilicher Wahlkampf kann also noch gut ausgehen. Er muss ihn jetzt aber mal aufnehmen.