Köln - Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki hat am Dienstag vor Journalisten sein Handeln in der Aufarbeitungsdebatte zu Missbrauch in der Kirche verteidigt. Gleichzeitig gibt er sich reuig und verspricht Besserung. „Mein Handeln war rechtlich okay, aber ein beschämendes Beispiel“, sagte der Kardinal vor Journalisten. Dabei bezieht er sich auf seinen Umgang mit zwei Missbrauchstätern in Köln in der Vergangenheit. 

Am vergangenen Donnerstag war in Köln ein mit Spannung erwartetes Rechtsanwaltsgutachten über den Umgang von Kirchenoberen mit Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln zwischen 1975 und 2018 vorgestellt worden. In dem Gutachten listete der Rechtsanwalt Björn Gercke eine Statistik des Versagens mit 75 Pflichtverletzungen früherer und heutiger Bischöfe und anderer Kirchenoberer auf. Woelki wurde nicht genannt. Mittlerweile wurden einige Verantwortliche suspendiert, andere haben in Rom um ihren Rücktritt ersucht.

Am Dienstag hatte das Erzbistum dann zu einer Pressekonferenz geladen, in der es um weitere Konsequenzen gehen sollte. Das Bistum stellte einen Acht-Punkte-Plan vor. Demnach sollen sich einzelne Kircheninstitutionen künftig gegenseitig kontrollieren, unabhängige Kommissionen eingesetzt, Akten digitalisiert und vor Vernichtung und Manipulation geschützt, Prävention und Betroffenenfürsorge verbessert werden.

Woelki nutzte die Gelegenheit zu einer öffentlichen Selbstreflexion. Er habe kein geltendes Kirchenrecht gebrochen, sagte der Kardinal. Er habe aber Fehler gemacht. So meldete er den mutmaßlichen Missbrauchstäter Priester O., der in den 70er-Jahren ein Kindergartenkind missbraucht haben soll, nicht nach Rom, weil dieser zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens an Demenz litt und nicht mehr verhandlungsfähig gewesen sein soll. „Ich hätte ihn nicht melden müssen, aber können und sollen“, sagte Woelki am Dienstag. Im Fall eines zweiten Priesters, der in den 90er-Jahren schwersten Missbrauch an Kindern begangen hatte, hätte er vielleicht früher suspendieren sollen.

Einen Rücktritt schließt Woelki aus: „Ein Rücktritt wäre falsch, es wäre nur ein Symbol.“ Er will die Dinge nun verändern. Eine große Herausforderung dürfte dabei werden, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Mit dem Freispruch durch das Gutachten und einigen reuigen Worten wird nicht zu heilen sein, was in den vergangenen Monaten zerstört wurde. Weil Woelki ein erstes Gutachten zurückgehalten hatte, war ihm Vertuschung vorgeworfen worden. In Köln kam es zu einer Vielzahl von Kirchenaustritten. Andere Bischöfe forderten ihn auf, sein Amt niederzulegen. „Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, aber ich werde hier und heute und in der Zukunft alles dafür tun, dass keine Fehler mehr passieren können“, sagte Woelki.