Katastrophen bei Flugschauen: von Ramstein bis Lwiw

Am Wochenende kam es im texanischen Dallas zu einem Unglück bei einer Flugshow. Bis dato kommt es immer wieder zu Katastrophen bei Veranstaltungen dieser Art.

Der Moment der Katastrophe am vergangenen Samstag: Eine Boeing B-17 Flying Fortress und eine Bell P-63 Kingcobra kollidieren in der Luft während einer Flugshow auf dem Dallas Executive Airport.
Der Moment der Katastrophe am vergangenen Samstag: Eine Boeing B-17 Flying Fortress und eine Bell P-63 Kingcobra kollidieren in der Luft während einer Flugshow auf dem Dallas Executive Airport.Larry Petterborg/AP/dpa

Am vergangenen Wochenende ist es zu einem schweren Unglück während einer Flugschau im texanischen Dallas gekommen. Der Zusammenstoß zweier Maschinen aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs hat sechs Menschen das Leben gekostet.

Das teilte der für den Bezirk zuständige Richter am Sonntag unter Berufung auf die Gerichtsmediziner mit. Das Unglück geschah am Samstag bei einer Show zum Weltkriegsgedenken, die rund 4000 Besucher sahen.  Ein Bomber vom Typ Boeing B-17 Flying Fortress und ein Jagdflugzeug Bell P-63 Kingcobra waren aus bisher ungeklärter Ursache in der Luft kollidiert und abgestürzt. In der ersten Maschine seien bis zu fünf Besatzungsmitglieder gewesen, in der zweiten nur der Pilot, hatte der Veranstalter zuvor mitgeteilt.

Regelmäßige Katastrophen

Auf Videos in Medien und sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie das schnelle Jagdflugzeug seitlich in die viermotorige Boeing kracht, diese auseinanderbricht und beide Maschinen zu Boden stürzen. Anschließend sind eine Explosion, ein Feuerball und eine große Rauchwolke über der Absturzstelle sichtbar. Zuschauer am Boden seien nicht zu Schaden gekommen, sagte Dallas’ Bürgermeister Eric Johnson.

Warum es diese Art von Flugshows immer noch und immer wieder gibt, bleibt ein Rätsel. Denn regelmäßig kommt es bei diesen Veranstaltungen zu Katastrophen, wie ein Blick zurück zeigt.

Das historische Flugzeug stürzt nach der Kollision ab und explodiert.
Das historische Flugzeug stürzt nach der Kollision ab und explodiert.Nathaniel Ross Photography/AP

1. Das Flugtag-Unglück von Ramstein

Am 28. August 1988 kommt es auf der Air Base Ramstein in der Nähe von Kaiserslautern zu einer der größten Katastrophe dieser Art weltweit: Nach einer Kollision in der Luft stürzen drei Kunstflugmaschinen über der Air Base ab. Eines der Flugzeuge rutscht brennend ins Publikum, ein zweites kollidiert mit einem in Notfallbereitschaft stehenden Hubschrauber.

Das Unglück forderte 70 Todesopfer, circa 1000 Menschen wurden verletzt, viele darunter schwer. Überlebende haben bis heute mit den Spätfolgen des Unglücks zu kämpfen.

Bei den Rettungsmaßnahmen kam es aus unterschiedlichen Gründen zu Problemen und Pannen, die später von verschiedenen Seiten, unter anderem durch einen Untersuchungsausschuss des Bundestags, teilweise aufgearbeitet wurden. Es gab Vorwürfe von Ärzten, Sanitätern und Betroffenen, dass der Verlauf der Rettungsmaßnahmen mangelhaft organisiert, die Erstversorgung der Brandverletzten unzureichend und deren Transport und Verteilung auf Krankenhäuser medizinisch unsachgemäß und unkoordiniert gewesen seien.

Im Nachgang der Katastrophe von Ramstein kam es weltweit zu Debatten über den Sinn und Zweck solcher Veranstaltungen. In Deutschland wurden Kunstflugvorführungen für drei Jahre verboten, bis sie mit verschärften Sicherheitsauflagen wieder erlaubt wurden.

2. Die Katastrophe von Lwiw

Noch mehr Tote als das Unglück von Ramstein im Jahr 1988 forderte am 27. Juli 2002 der Absturz einer russischen Kampfmaschine vom Typ Suchoi Su-27 auf einem ukrainischen Militärflughafen in der Nähe von Lwiw (deutsch Lemberg). 86 Menschen kamen ums Leben, mehr als 500 wurden verletzt. Aufgrund eines sogenannten Strömungsabrisses kam es zum Absturz der Maschine, die daraufhin durch die Zuschauermenge schlitterte, ehe sie explodierte.

Bis heute ist die Katastrophe von Lwiw, das bis dato schwerste Unglück, das sich je bei einer Kunstflugshow ereignet hat, nicht vollständig geklärt. Eine Verkettung von mehreren Fehlern führte zu dem Unglück.

3. Reno-Air-Race-Flugzeugunglück

Bei einer Geschwindigkeit von circa 820 Stundenkilometern verliert der 74-jährige Pilot Jimmy Leeward bei der Reno-Air-Race-Flugschau die Kontrolle über sein Jagdflugzeug vom Typ North American P-51. Die Maschine stürzt daraufhin in den Zuschauerbereich der Show im amerikanischen Reno im Bundesstaat Nevada. Offenbar hatte sich ein Trimmruder des Höhenleitwerks der Maschine aus dem Zweiten Weltkrieg, das der Pilot umfassend renoviert und verändert hatte, gelöst.

Beim Absturz der Maschine am 16. September 2011 starben der Pilot sowie zehn Zuschauer der Show, weitere 68 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

4. Flugschau-Unglück in Warngau

Fast in Vergessenheit geraten ist das Unglück, das sich 2010 im bayerischen Warngau (Landkreis Miesbach) ereignete: Bei einer Flugschau stoßen zwei Maschine zusammen, ein Pilot kommt ums Leben.

Bei einem Formationsflug kollidieren zwei Oldtimer-Flugzeuge in der Luft mit ihren Tragflächen. Eine Maschine vom Typ FH Extra 300 L stürzt ab und fängt Feuer, der Pilot stirbt noch an der Unfallstelle. Erst kurz zuvor war im fränkischen Schnaittach bei einer Flugschau ein Doppeldeckerflugzeug in eine Zuschauermenge gerast – eine Frau wurde getötet, 20 Menschen verletzt, fünf darunter schwer.