Berlin - Katrin Göring-Eckardt war am Donnerstag in Köln – zur Weiberfastnacht. Das trifft sich gut. Denn erstens ist die grüne Spitzenkandidatin eine lebenslustige Frau. Zweitens wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Den Grünen dort geht es nicht so gut gerade. Und wenn sie im Mai so vergleichsweise massiv Stimmen einbüßt, wie es jetzt aussieht, dann könnte der Ökopartei das Verlierer-Image bis zur Bundestagswahl anhaften. Drittens erschien die 50-jährige Thüringerin in Martin Schulz-Maske. Und hier nun wird es interessant.

Zwar war die Maske grotesk überzeichnet. Der Auftritt sollte komisch wirken und dem Amüsement dienen. Göring-Eckardts Outfit war als ironische Distanzierung angelegt. Einerseits. Andererseits war’s wie jede Ironie auch eine Art Flirt, also heiterer Ernst. Die Grüne wollte sagen, dass sie den SPD-Kanzlerkandidaten sehr wohl auf dem Schirm hat – nicht als Partner fürs persönliche, sehr wohl aber fürs politische Bützchen. Bützchen ist das kölsche Wort für das harmlose Küsschen, das man niemandem verwehren kann. So gesehen war das Ganze eine politische Demonstration erster Güte.
Göring-Eckardt war vor fast 20 Jahren schon maßgeblicher Teil jener rot-grünen Koalition, die von Gerhard Schröder und Joschka Fischer angeführt wurde.

Zunächst amtierte sie mit gerade mal 32 Jahren als Parlamentarische Geschäftsführerin, anschließend als Fraktionsvorsitzende. Zuletzt entwickelte die Protestantin hingegen ein eher schwarz-grünes Profil. Ihre Nähe zu und ihre Bewunderung für Kanzlerin Angela Merkel sind mitunter mit Händen zu greifen.

Özdemir: Rot-rot-grünes Bündnis wieder möglich

Erst seit alle „Zeit für Martin“ haben, ist wieder alles anders. Der Sozialdemokrat droht links-liberale Wechselwähler zu sich herüber zu ziehen. Sein Kurs der sozialen Gerechtigkeit untergräbt den ökologischen Impetus der Grünen und stärkt deren linken Flügel. Und groteskerweise wirkt der 61-Jährige plötzlich wie ein Jungbrunnen, während der Spiegel schrieb, ihm kämen Göring-Eckardt und ihr Co-Spitzenkandidat Cem Özdemir „wie aus der Zeit gefallen“ vor. Dabei sind sie zehn Jahre jünger. Ungerecht ist die Welt. Neuerdings sagt Özdemir jedenfalls, ein rot-grünes Bündnis sei wieder möglich. Die drei wollen sich demnächst treffen. Womöglich haben sie es bereits getan.

Eigentlich bringt dieser Martin Schulz bei Katrin Göring-Eckardt also alles durcheinander. Er ist der letzte, mit dem die Tochter eines Tanzlehrers in diesem Sommer tanzen wollen sollte. Aber wenn das so weiter geht, dann wird die Grüne mit dem Roten nicht nur tanzen, ja dann wird sie ihm bald sogar ein Bützchen geben. In Köln hat sich der Gast aus Berlin schon mal in Kussweite ran geschlichen.