Bayerns Ministerpräsident Markus Söder muss ein Debakel verarbeiten.
Foto: Nicolas Armer

BerlinDas ging schnell: Innerhalb eines Tages hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vom obersten Krisenmanager der Pandemie zum Spruchbeutel der Nation gewandelt. So jedenfalls sehen es seine zahlreichen politischen Gegner.

Sein vollmundiger Satz, dass in Bayern für ganz Deutschland getestet werde und dass überhaupt jeder in seinem Bundesland einen Test bekommen könne, ist natürlich sehr viel weniger wert, wenn die positiv Getesteten dann nicht sofort informiert werden. Mehr als 900 mit dem Virus Infizierte sind in den vergangenen Tagen sorglos unterwegs gewesen, weil sie von den zuständigen bayerischen Behörden über die Gefahr schlicht nicht informiert wurden. Das ist schlecht für die Betroffenen und alle, mit denen sie Kontakt hatten.

Es ist aber auch schlecht für Söder. Kein anderer Politiker hat sich in Deutschland derart breitbeinig mit seiner Pandemie-Politik präsentiert. Kein Wunder, dass ordentlich auf ihn eingeprügelt wird – und das nicht nur vom politischen Gegner. Sogar aus der CDU kam eine unverhohlene Spitze. Da zeigte sich die gesundheitspolitische Sprecherin der Union besorgt, dass in Bayern ein „zweites Ischgl" entstanden sein könnte. Ausgerechnet Ischgl! Mit dem Hinweis auf die vielen Infektionen in dem österreichischen Urlaubsort hatte Söder seine Kritik an seinem Ministerpräsidenten-Kollegen Armin Laschet garniert.

Die unterschwellige Schadenfreude vieler Äußerungen mag verständlich sein. Doch die Panne in Bayern ist ein Rückschlag für die gesamte Pandemie-Politik. Die Bereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger, sich weiter diszipliniert zu verhalten, sinkt derzeit ohnehin immer weiter. Jeden Fehler, den sich die Politik leistet, werden sie als Argument nehmen, dass man es selbst nicht mehr allzu genau nehmen muss. In der Zwischenzeit steigen die Infektionszahlen – inklusive schwerer Krankheitsverläufe. Es wird Zeit, dass wir uns alle mehr am Riemen reißen.