Berlin - Das Umfragehoch der AfD heizt in der Union erneut die Debatte über den richtigen Umgang mit der Partei an. CSU-Chef Horst Seehofer forderte eine aktivere Auseinandersetzung mit den Themen, die die AfD besetze, die in Sachsen erstmals in einen deutschen Landtag einziehen konnte. Eine neue Umfrage sieht das Wählerpotenzial der Partei bei bis zu 22 Prozent.

Seit dem Einzug der Partei in das Europaparlament im Mai und vor einer Woche in den sächsischen Landtag hat sich in der Union die Debatte über den richtigen Umgang verschärft. CDU-Generalsekretär Peter Tauber hatte darauf verwiesen, dass kein Bündnis in Bund oder Ländern möglich sei. Auch die CDU-Vorsitzenden in den drei ostdeutschen Bundesländern mit Landtagswahlen lehnen dies ab. Der thüringische CDU-Fraktionschef Mike Mohring warf der AfD in der „Bild am Sonntag“ „gnadenlosen Populismus“ vor, der eine Koalition ausschließe.

Seehofer attackiert Schwesterpartei

„Wir müssen uns mit den Themen der AfD auseinandersetzen, nicht mit der Partei. Damit solche Parteien die Ängste der Menschen nicht ausnutzen können, müssen wir auf diese Ängste eingehen“, forderte der brandenburgische CDU-Chef Michael Schierack. In Brandenburg und Thüringen werden am 14. September neue Landtage gewählt. „Es wird mit der AfD keine Koalition auf Landesebene geben“, sagte CDU-Spitzenkandidat Schierack. Allerdings betonte er, dass das Verbot einer Zusammenarbeit nur auf die Bundes- und Landesebene beschränkt sei. „Kommunal muss vor Ort über Bündnisse entschieden werden - dabei ist jeder Orts- oder Kreisverband frei in der Entscheidung. Ich weiß aber, dass die meisten Kreisverbände keine Zusammenarbeit wollen.“ Er verwies darauf, dass es auf lokaler Ebene sogar punktuell eine Zusammenarbeit der CDU mit Vertretern der Linkspartei gebe.

CSU-Chef Seehofer warf der Union eine falsche Analyse der Europawahl vor. „Da wurde versucht, das Erstarken der AfD der CSU anzuhängen. Jetzt sieht man, dass die AfD in Sachsen ganz ohne die CSU deutlich stärker geworden ist“, sagte er der „Bild“ (Montagausgabe). Versuche, die AfD in die rechte Ecke zu stellen, seien falsch, sagte Seehofer. „Im übrigen besteht diese Partei in der Mehrzahl nicht aus braunen Dumpfbacken, sondern durchaus auch aus intelligenten Menschen, die geschickt mit manchen Sorgen der Bürger spielen.“ Deshalb sollte die Union die Sachprobleme lösen statt sie der AfD freiwillig zu überlassen.

AfD-Potenzial liegt bei 22 Prozent

Ausdrücklich forderte Bayerns Ministerpräsident in diesem Zusammenhang mehr Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). „Wenn zum Beispiel EZB-Chef Mario Draghi den Geldhahn der Zentralbank aufdreht und gleichzeitig Ramschpapiere kauft, dann macht das vielen Menschen Angst. Und es ist unsere Aufgabe, diese Politik der Schuldenmacherei zu kritisieren.“ Dafür brauche man keine AfD.

Das Wählerpotenzial der AfD liegt laut einer neuen Umfrage bei einem Mehrfachen ihrer aktuellen Umfragewerte. Nach einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Emnid für „Bild am Sonntag“ können sich 22 Prozent der Deutschen vorstellen, bei der nächsten Bundestagswahl ihr Kreuz bei der neuen Partei zu machen. Nur 23 Prozent erwarten aber, dass die AfD auf Dauer eine wichtige Rolle spielen wird. 71 Prozent erwarten das nicht. Im aktuellen Sonntagstrend erreicht die AfD derzeit bundesweit sechs Prozent und wäre damit im Bundestag vertreten.