Mathematiker aus Glasgow und Chef des MI5, Ken McCallum.
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BerlinFrüher einmal wurde die Identität britischer Secret-Service-Bosse als Staatsgeheimnis behandelt. Heutzutage dürfen die Briten wissen, wer für „Sicherheit“ zu sorgen hat in ihrem Land. An die Spitze des Inlands-Geheimdienstes MI5 ist gerade dessen bisheriger Vize, Ken McCallum, getreten. McCallum löst Sir Andrew Parker ab, der das Amt sieben Jahre lang versah. Sir Parker hat ihn zum „richtigen Mann auf diesem Posten“ erklärt.

Der Neue ist nicht ganz so neu. Er ist ein Mathematiker aus Glasgow, der dem Geheimdienst seit 25 Jahren angehört. „In seinen Vierzigern“ soll McCallum sein, heißt es – was ihn zum jüngsten britischen Geheimdienstchef aller Zeiten machen würde. So ganz ohne Heimlichtuerei geht es dann also doch nicht.

Was man weiß, ist immerhin, dass McCallum von Kollegen als ebenso scharfsinnig wie umgänglich betrachtet wird. In den ersten zehn Jahren beim MI5 arbeitete er in der Abteilung für Nordirland. Damals verfolgte er für den Geheimdienst das Ende der Troubles, wie der bewaffnete, bürgerkriegsartige Konflikt im Volksmund hieß, und dann den Friedensprozess in Belfast mit. Anschließend wurde er auch in England bei der Terrorabwehr eingesetzt.

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Kommerzielle und politische Attacken

2012 war McCallum verantwortlich für die Sicherheit der Olympischen Spiele in London. Und nach Übernahme des Stellvertreter-Postens 2017 leitete er die Aufklärungsarbeit zu den blutigen Terror-Anschlägen jener Tage in Manchester und London, und auch zum spektakulären russischen Nervengas-Anschlag auf Sergej und Julia Skripal 2018 in Salisbury.

Zwischendurch koordinierte McCallum die Zusammenarbeit mit der nationalen Lauschzentrale GCHQ und dem Auslands-Nachrichtendienst MI6, der Heimstatt von Agent 007. MI steht für Military Intelligence, beide Dienste gehen auf Vorkriegszeiten zurück.

Zuletzt konzentrierte sich McCallum zunehmend auf eher moderne kommerzielle und politische Attacken, etwa auf „Cyberwarfare“ und auf gezielte Desinformations-Kampagnen von unbekannter Hand.

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Von liberalen und linken Beobachtern ist er gemahnt worden, verstärkt rechtsextreme Gruppen zu beobachten, die auch in Großbritannien inzwischen aktiver geworden sind. Und konservative Hinterbänkler, die gegenüber China Misstrauen hegen, erwarten vom neuen MI5-Chef, dass er sie mit Warnungen vor einer Beteiligung von Huawei am Aufbau des geplanten G5-Mobilfunk-Netzes in Großbritannien unterstützt.