Das Thema Essen ist in Brüssel, am Sitz der EU-Institutionen, von herausragender Bedeutung. Rund um die Glaspaläste der europäischen Behörden gibt es jede Menge gute, wenn auch überteuerte Restaurants. Ihre Kundschaft besteht vor allem aus Spesenrittern und Eurokraten, bei denen es auf den einzelnen Euro nicht ankommt. Schlemmen als Akt der europäischen Verständigung: Das geht in Brüssel ganz wunderbar.

Dermaßen sensibilisiert haben sich die EU-Beamten nun eines ganz besonderen Problems angenommen: Der Qualität des Olivenöls, mit dem man in Gaststätten seinen Salat verfeinern kann. Es geht hier aber keineswegs nur um die Restaurants im Brüsseler Europaviertel – sondern um alle in der Union.

Gefäße müssen versiegelt sein

Von 2014 an soll es Wirten überall in Europa verboten sein, einfach nur eine Karaffe oder eine neutrale Flasche mit Olivenöl auf den Tisch zu stellen. Stattdessen müssen sie künftig Gefäße benutzen, auf denen die Herkunft und die Güteklasse des Öls eindeutig vermerkt sind. Die Gefäße müssen überdies versiegelt und dürfen nicht wieder befüllbar sein. In der Praxis wird das vermutlich darauf hinauslaufen, dass demnächst überall kleine Einweg-Flaschen zu finden sein werden, die die Kellner durch neue ersetzen, wenn sie den Tisch abräumen und für neue Gäste herrichten.

Die EU-Kommission findet die neue Olivenöl-Vorschrift großartig. „Das ist eine gute Nachricht für die Konsumenten in Europa“, sagt ein Sprecher. Restaurantbesucher wüssten künftig genau, welches Olivenöl sie vorfinden. Sie könnten auch sicher sein, dass sich in der Flasche auch tatsächlich das versprochene Produkt befindet und nicht etwa ein minderwertiges.

Außerdem gehe es natürlich um Hygiene. Der Sprecher verweist darauf, dass eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten für die Änderung der Olivenöl-Verordnung gestimmt habe. Besonders interessant ist die neue Regelung für Länder wie Spanien, Italien und Griechenland, in denen die Olivenöl-Produktion ein riesiger Wirtschaftszweig ist.

In Deutschland hingegen ist das Verständnis dafür eher gering. Der EU-Parlamentarier Horst Schnellhardt (CDU), der im Ausschuss für Lebensmittelsicherheit sitzt, spricht von einem klassischen Fall von Überregulierung. „Man sollte hier die Fantasie und den Elan der Gaststättenbetreiber nicht einengen“, sagt er. Außerdem gebe es immer noch die Gewerbeaufsicht, die mit Kontrollen sicherstellen könne, dass Wirte ihren Gästen kein gepanschtes Olivenöl vorsetzen.