Berlin - Er lacht, immer wieder, spontan, herzhaft, wie überhaupt Habitus und Stimme spüren lassen, weshalb Kent Nagano, 59, der Ruf vorauseilt, ein ewig Junger zu sein. Die langen Haare, schwarz mit grauen Strähnen, tun ihr Übriges. Dass ihm die Frauen zu Füßen liegen, wird in jedem Porträt betont, und weil die Welt der Klassik nicht erst seit unseren Tagen ihre Stars nach gleichen Mustern auf- und abwertet wie die des Pop, stand die Kunst Naganos nicht selten genau deswegen unter besonders kritischer Beobachtung. Sein Repertoire sei eingeschränkt, an die großen Meister Beethoven und Mozart habe er sich zu spät gewagt und dann nur wenig überrascht. Ein Sängerdirigent sei er schon gar nicht, weswegen sich vor allem die Deutschen an seinen Wagner-Interpretationen scheiden. Seine Bewunderer wiederum schätzen die Seriosität, die unbedingte Werktreue, seinen Dienst am Komponisten. Der US-Amerikaner mit japanischen Vorfahren polarisiert, seit er in den Achtzigerjahren als Chefdirigent des Boston Symphonic Orchestra aufhorchen ließ und bald auch in Europa zum Maestro von Weltrang avancierte.

Kürzlich ist ihm die Bayerische Europamedaille verliehen worden, für besondere Verdienste um Bayern in einem vereinten Europa, wie es offiziell heißt. Er ist stolz auf diese Auszeichnung, vielleicht auch, weil sich seine erfolgreiche Zeit in München unharmonisch ihrem Ende zuneigt. Nach einem offenen Disput mit Intendant Nikolaus Bachler, seinem experimentierfreudigen Antipoden, hatte er sich Rückendeckung aus dem Kunstministerium erhofft. Sie blieb aus. Nagano, Wahl-Europäer mit Wohnsitz in Paris und London, wird 2013 weiterziehen.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.