Istanbul - EU-Ratspräsident Donald Tusk dringt auf eine gründliche Aufklärung der Tötung des saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi. Das einzige Interesse der EU sei es, „alle Details ans Licht zu bringen - egal wer dahinter steckt“, sagte Tusk am Mittwoch vor dem Europaparlament in Straßburg.

Bei dem Fall handele es sich um so ein „entsetzliches Verbrechen, dass selbst der kleinste Schimmer von Heuchelei Schande über uns bringen würde“. Die EU und ihre Institutionen dürften sich nicht in „irgendein zwielichtiges Spiel verwickeln lassen“, warnte Tusk. 

Türkei soll CIA informiert haben

Die Türkei hat derweil die CIA-Chefin Gina Haspel laut einer türkischen Zeitung über die Ermittlungen zur Tötung Khashoggis informiert. Die regierungsnahe Zeitung „Sabah“ berichtete am Mittwoch, der türkische Geheimdienst MIT habe Haspel bei einem Besuch in Ankara „Video- und Audioaufnahmen“ gezeigt und mit ihr die bei der Durchsuchung des saudiarabischen Konsulats und der Residenz des Konsuls gesammelten Beweise geteilt.

Türkische Medien berichten seit Wochen, dass die Ermittler über Ton- und Bildaufnahmen aus dem Konsulat verfügen, welche die Tötung des „Washington Post“-Kolumnisten am 2. Oktober belegen. Die Regierung in Ankara hat dies bisher aber nicht bestätigt, und auch Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Existenz solcher Aufnahmen in seiner Rede zum Fall Khashoggi am Dienstag nicht erwähnt. Sollten solche Aufnahme existieren, so ist unklar, wie die Ermittler daran gelangten.

Khashoggi war am 2. Oktober in das Konsulat gegangen, um ein Dokument für seine anstehende Heirat abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Saudi-Arabien gestand am vergangenen Samstag seinen Tod im Konsulat ein, erklärte aber, er sei bei einem „Faustkampf“ ums Leben gekommen. Erdogan sprach am Dienstag dagegen von einem „politischen Mord“, der Tage im Voraus von einem aus Saudi-Arabien angereisten Kommando geplant worden sei. (afp)