Ein von Russland unterstützter Separatistensoldat (re.) begleitet eine Gruppe von ukrainischen Kriegsgefangenen in der Nähe des Kontrollpunktes Horliwka in der Ostukraine.
Foto: dpa/AP/ Alexei Alexandrov

Moskau/KiewNach dem Ukraine-Gipfel in Paris haben die Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten wie vereinbart Gefangene ausgetauscht. Im russischen und ukrainischen Fernsehen war am Sonntag zu sehen, wie Busse mit den Inhaftierten zu einer Kontrollstelle nahe der Rebellenhochburg Horliwka fuhren. Es spielten sich ergreifende Szenen ab. Menschen lagen sich in den Armen. 

Zunächst war unklar, wie viele Gefangene beide Seiten austauschten. Nach früheren Angaben sollten insgesamt 142 Menschen freikommen. Die selbsternannte Republik Donezk teilte der russischen Agentur Interfax zufolge mit, dass sich mindestens zwei Gefangene aus Angst vor einer Strafverfolgung in Kiew geweigert hätten, das Separatistengebiet zu verlassen. In anderen Berichten hieß es, dass mehrere Gefangene nicht in die Republik Luhansk zurückkehren wollten.

Das Büro des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj übertrug zeitweise den Gefangenenaustausch. Bei Twitter hieß es am Nachmittag: „Die ersten 25 befreiten Ukrainer werden bald zu Hause sein.“ Der Austausch war am Nachmittag zunächst noch nicht abgeschlossen. Das ukrainische Staatsoberhaupt sprach von einem wichtigen Tag für sein Land. Zuletzt waren die Gespräche dazu ins Stocken geraten.

Gefangenenaustausch bei Ukraine-Gipfel vereinbart

Beim Ukraine-Gipfel vor gut drei Wochen in Paris war der Austausch nach der Formel „alle gegen alle“ bis Ende Dezember vereinbart worden. Die Einigung zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und seinem russischen Kollegen Wladimir Putin kam unter Vermittlung von Deutschland und Frankreich zustande.

Erst Anfang September hatten Kiew und Moskau 70 Gefangene - 35 auf jeder Seite - ausgetauscht. Das war als Zeichen möglicher Fortschritte bei einer Lösung des Ukraine-Konflikts gewertet worden. Unter den Freigelassenen waren die 24 ukrainischen Matrosen gewesen, die mehrere Monate in russischer Haft gesessen hatten. In Freiheit kam außerdem der ukrainische Regisseur Oleg Senzow.

Bei dem Treffen in Paris war neben dem Gefangenenaustausch auch ein weiterer Truppenrückzug für drei Abschnitte an der über 400 Kilometer langen Front vereinbart worden. Außerdem soll die Waffenruhe bis Ende des Jahres vollständig umgesetzt werden. Es gab auch zuletzt immer wieder Berichte über Tote und Verletzte.

In den ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk stehen sich ukrainische Regierungstruppen und prorussische Separatisten gegenüber. In dem Konflikt sind nach UN-Schätzung seit 2014 rund 13.000 Menschen ums Leben gekommen.