Kim Jong Un ist zu Treffen mit Wladimir Putin in Wladiwostok eingetroffen

Wladiwostok - Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist bei seinem ersten Staatsbesuch in Russland in der Hafenstadt Wladiwostok zum Gipfeltreffen mit Kremlchef Wladimir Putin eingetroffen. Er kam mit dem gepanzerten Sonderzug auf dem Bahnhof an, wie das russische Staatsfernsehen live am Mittwoch zeigte. Das Treffen mit Putin ist an diesem Donnerstag geplant.

Er wolle mit dem russischen Präsidenten über das nordkoreanische Atomprogramm sprechen, sagte Kim nach Angaben des TV-Kanals. „Ich hoffe, dass der Besuch erfolgreich und nützlich sein wird“, sagte Kim.

Er ging in Begleitung einer Delegation zu Fuß eine Strecke. Eine Militärkapelle spielte die Hymnen beider Länder. Neben dem Atomprogramm geht es auch um eine wirtschaftliche Zusammenarbeit der Nachbarländer. Es wird Kims erstes Treffen mit Putin überhaupt. Am Morgen war er zunächst am russischen Grenzpunkt Chassan mit Blumen und - nach russischer Tradition - mit Salz und Brot empfangen worden. 

In seiner Begleitung sind hohe Beamte, darunter Vize-Außenministerin Choe Son Hui.  Die beiden Politiker wollen sich auf einer kleinen Insel mit dem Namen Russki treffen. Sie gehört zum Gelände der Universität in der ostrussischen Hafenstadt. Über den Zeitpunkt des Treffens war lange spekuliert worden. Der Kreml hielt sich bis zuletzt bedeckt, wann und wo sich beide Politiker begegnen werden.

Es wäre das erste Treffen von Putin mit Kim - und es wäre gut zwei Monate nach dem Gipfel zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump. Diese Begegnung war vorzeitig abgebrochen worden. Beide konnten sich nicht auf zentrale Fragen der atomaren Abrüstung Nordkoreas einigen. Erst kürzlich hatte Trump einen weiteren Gipfel für möglich erklärt.

Moskau will Lockerung der Sanktionen

Bei dem nun anstehenden Treffen zwischen Russland und Nordkorea soll es Kreml-Angaben zufolge auch um das umstrittene Atomwaffenprogramm gehen. Es solle eine politische und diplomatische Lösung für das Problem gesucht werden, sagte der russische Präsidentenberater Juri Uschakow der Agentur Tass zufolge. Ziel sei eine friedliche Lösung.

Moskau setzt sich für eine Lockerung der Sanktionen im Gegenzug für ein Entgegenkommen Pjöngjangs beim Atomprogramm ein. Nach dem Gipfel wird Putin zum „Seidenstraßen“-Gipfel nach Peking reisen, wo er mit der chinesischen Führung auch über Nordkorea sprechen dürfte.

Die Gespräche zwischen Nordkorea und der US-Regierung waren ins Stocken geraten. Die Führung in Pjöngjang hatte in der vergangenen Woche ihrem Unmut Luft gemacht - unter anderem wegen der unnachgiebigen Position der US-Regierung bei den gegen Nordkorea verhängten Sanktionen. Sie will außerdem nicht mehr mit US-Außenminister Mike Pompeo über ihr umstrittenes Atomprogramm verhandeln. Pompeo wies diese Forderung zurück.

Bereits vor einer Woche hatte der für Nordkorea zuständige US-Sondergesandte Stephen Biegun Moskau besucht. Beide Seiten hätten ihr Ziel einer vollständigen und kontrollierbaren Denuklearisierung Nordkoreas bekräftigt, teilte die US-Botschaft danach mit.

Russland hatte Kim bereits im Mai vergangenen Jahres eingeladen. Zuletzt war es im Jahr 2011 zu einem Gipfel zwischen den Staatsoberhäuptern Russlands und Nordkoreas gekommen. Damals hatte sich der mittlerweile gestorbene Kim Jong Il mit dem damaligen Kremlchef Dmitri Medwedew getroffen. (dpa)