Kind in Frankfurt/Main vor Zug gestoßen: Warum es keine internationale Fahndung nach Habte A. gab

Frankfurt am Main - Nach dem Mord an einem achtjährigen Jungen, der am Montag am Hauptbahnhof Frankfurt am Main von dem 40-jährigen Eritreer Habte A. vor einen ICE geschubst wurde, hat die Polizei nun erklärt, weshalb der Mann überhaupt bis nach Deutschland kommen konnte. Und weshalb er nicht international zur Fahndung ausgeschrieben war.

Vier Tage, bevor A. den Achtjährigen ins Gleis stieß, hatte er seine Frau sowie seine drei Kinder (1,3 und 4 Jahre alt) in seiner Wohnung eingesperrt und eine Nachbarin mit einem Messer bedroht. Die wenig später alarmierte Polizei habe A. daraufhin zwar zur Fahndung ausgeschrieben - allerdings nur in der Schweiz. Warum?

Keine rechtliche Verpflichtung

Man habe "absolut keine Anhaltspunkte dafür gehabt, dass sich der Flüchtige ins Ausland absetzen könnte", so der Chef der örtlichen Regionalpolizei in einem Statement. Zudem gibt es keine rechtliche Pflicht, einen Straftäter auch international suchen zu lassen.

Gegenüber dem Schweizer Nachrichtenmagazin 20min.ch sagt der Schweizer Kriminologe Dirk Baier: "Europaweite Ausschreibungen erfolgen in Fällen, in denen eine schwere Straftat begangen wurde, zum Beispiel versuchte Tötung. Also dann, wenn man es mit einem Täter zu tun hat, den man als so gefährlich einstuft, dass er ein ähnliches Delikt überall sonst verüben könnte."

Habte A. hätte vor der Tat gestoppt werden können

Im aktuellen Fall hätte man Habte A. nach den Worten des Bundespolizei-Präsidenten Dieter Romann vor der Tat in Frankfurt "geschnappt", wenn "eine internationale Fahndung vorgelegen hätte und er an der Grenze kontrolliert worden wäre". 

Innenminister Horst Seehofer kündigte bereits an, Deutschland müsse sich mit der EU-Ratspräsidentschaft dafür einsetzen, das europäische Fahndungssystem zu "harmonisieren". Die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind kompliziert, allerdings gibt es zumindest innerhalb der EU mit Europol bereits eine umfassende Datenbank, auf die alle EU-Staaten unter bestimmten Voraussetzungen Zugriff haben. 

In Deutschland können von der Polizei gesuchte Straftäter zudem auch wegen kleinerer Straftaten wie dem Fahren unter Alkoholeinfluss zur internationalen Fahndung ausgeschrieben werden. Automatisch passiert das allerdings nicht.