Berlin - Als ich klein war, hieß der Kinderarzt Doktor Koker. Er war schon der Kinderarzt meiner Mutter. Ich kann mich nicht erinnern, oft in seiner Praxis gesessen zu haben. Wenn ich erkrankte, ging meine Mutter zur Gaststätte gegenüber, um zu telefonieren. Ein eigenes Telefon hatten wir nicht. Sie rief Doktor Koker in der Kreisstadt an und im Laufe des Tages, manchmal in den Abendstunden, kam er mit seinem Auto vorbei. Er war ein großer, glatzköpfiger Mann, der mir damals schon uralt vorkam, obwohl er höchstens Ende vierzig war. Ich bilde mir ein, dass er einen großen ledernen Koffer trug. Er untersuchte mich, hörte mich ab, verschrieb Medikamente, beruhigte meine Mutter. Nach dem Besuch von Doktor Koker fühlte ich mich sofort besser. Ich kann mich nicht erinnern, dass er nach der Untersuchung Süßigkeiten verteilte, wie Ärzte das heute tun, um die Kinder für ihre Geduld zu belohnen. Mich beruhigte allein sein Besuch.

Ah, das ist wieder so eine nostalgische Ostgeschichte, mag mancher denken. Nein, ist es nicht. Es geht darum, warum es heute bestimmte Missstände oder Mängel gibt. Muss das so sein? Wie könnte man es besser machen?

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