Ein italienischer Pfarrer stellte Fotos seiner Gemeindenmitglieder in der Kirche auf.
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BerlinDie Empfehlungen im Angesicht der Coronakrise sind eindeutig: Wo immer es geht, sollen Menschen sich von anderen fernhalten. Deshalb schließen Restaurants und Museen, deshalb soll eigentlich möglichst jeder zu Hause bleiben.

Osterfeierlichkeiten ohne Besucher

In Deutschland wurden viele Gottesdienste abgesagt, der Vatikan will die Osterfeierlichkeiten in diesem Jahr ohne Besucher stattfinden lassen. Die Kirchen Roms allerdings, die eigentlich bis zum 3. April geschlossen bleiben sollten, stehen den Gläubigen ab sofort wieder offen.

Das Virus hat Italien fest im Griff, Fall- und Opferzahlen steigen beinahe im Stundentakt. Doch die Kirchen schließen? Das ging dem Klerus dann doch zu weit. Gerade in dieser schwierigen Zeit müssten die Kirchen offen bleiben, so die Argumentation.

Bei Sorge und Angst Zuflucht in Gott zu suchen, ist für gläubige Menschen ein natürlicher Impuls. Und die Kirche sollte für sie da sein. Die Gotteshäuser deswegen offen zu halten, ist hingegen eine Entscheidung, die wohl mehr mit der Anspruchshaltung der Kirche zu tun hat als mit Nächstenliebe. Es ist der wahrscheinlich wichtigste Teil des Priesterberufs, in der Not Beistand zu leisten.

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Beistand per Internet oder Telefon

Das gilt gerade jetzt und gerade bei älteren Menschen, die durch das Virus besonders gefährdet und tendenziell gläubiger sind als jüngere. Nur sollte der Beistand in den nächsten Wochen auf anderem Wege geleistet werden, per Internet- oder Telefon-Seelsorge etwa.

Kirchen sind, obschon in neuerer Zeit selten überlaufen, ein Ort, an dem Gläubige zusammen- und sich näherkommen und einander die Hände reichen. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Zumindest Ersteres ist in Zeiten von Corona eine denkbar schlechte Idee.