Berlin - Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat den einstigen US-Präsidenten zum Kirchentag nach Berlin gebeten – mit Erfolg.

Herr Bedford-Strohm, warum haben Sie Barack Obama eingeladen?

Ich habe Barack Obama eingeladen, weil er wie wenige andere mitten im Zentrum der Macht und der Politik gestanden hat und mit hohen Idealen in die Politik gegangen ist – übrigens auch sehr stark begründet im christlichen Glauben. Obama hat in Chicago Graswurzelarbeit gemacht und ist später Präsident geworden.

Hat er denn diese Ideale halten können? Manche sagen, etwa mit Blick auf die beabsichtigte und letztlich gescheiterte Schließung des Gefangenen-Lagers Guantánamo habe er sie nicht halten können.

Das ist eines der Themen, über die wir sprechen wollen: Wie diese Erfahrung ist – dass man bestimmte Dinge unbedingt möchte und sie dann schwer umzusetzen sind. In dem Fall hatte das damit zu tun, dass er den Kongress nicht auf seiner Seite hatte. Und auch ein amerikanischer Präsident kann bestimmte Dinge nicht tun, ohne dass er den Kongress hinter sich hat. Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man über dieses Verhältnis von Idealen und Realpolitik ins Gespräch kommen kann.

Wie sehen Sie denn Obamas Rolle im Kontrast zu Donald Trump? Mittlerweile genießt er zumal in Deutschland ja fast Heiligenstatus.

Die Verdienste von Barack Obama wird am Ende die Geschichte aus dem Abstand beurteilen müssen. Was man jetzt sagen kann, ist, dass er in bestimmten, sehr wichtigen Feldern Maßgebliches vorangebracht hat; das ist etwa die Klimapolitik. Das hat auch zum Erfolg der Pariser Klimakonferenz geführt. Und es macht mir große Sorgen, dass die Vereinigten Staaten unter dem neuen Präsidenten da aussteigen wollen.

Sie haben nicht das Gefühl, dass Obama überbewertet wird und er einen Status hat, der ihm nicht zukommt?

Einen Heiligenstatus hat niemand. Ein Politiker, der gerade seine Amtszeit beendet hat, schon gar nicht. Aber es geht auch nicht um heilig oder nicht heilig, sondern darum, ob jemand gute Politik macht. Er ist ja kein religiöser Führer, sondern ein Politiker.

Welche Wirkung erwarten und erhoffen Sie sich von dem Auftritt?

Ich erwarte mir von dieser Veranstaltung, dass das, was diesen Kirchentag ausmacht, sehr deutlich zur Geltung kommt. Der Kirchentag ist eine Zeitansage auf der Basis des christlichen Glaubens. Denn Christen geht es nie nur um sich selbst, sondern um die Welt als Ganze. Und das wird sicher bei dieser großen Veranstaltung sehr deutlich zum Ausdruck kommen.

Sprengt Obama womöglich den Rahmen, auch rein quantitativ betrachtet?

Das glaube ich nicht. Wir freuen uns über viele Menschen, die den Kirchentag besuchen. Und ich hoffe, dass sie dann auch entdecken, wie spannend der Kirchentag insgesamt ist und noch andere Veranstaltungen besuchen, auf die sie sonst vielleicht gar nicht gekommen wären.