Die städtische Kindertagesstätte „Steinkreis“ in Viersen, Nordrhein-Westfalen.
Foto: dpa/Marius Becker

ViersenIm Fall des mutmaßlichen Tötungsdelikts an einer Dreijährigen aus einer Kita im nordrhein-westfälischen Viersen sind neue, erschreckende Details bekannt geworden. Man gehe davon aus, dass das Kind vorsätzlich getötet wurde, hieß es. Verdächtigt wird eine Erzieherin aus der Kita.

Polizei und Staatsanwaltschaft, die bislang aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben gemacht hatten, gaben am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz  in Mönchengladbach zunächst Einblicke in den Tag der Tat.

Demnach besuchte die Dreijährige am 21. April dieses Jahres die Notbetreuung in der städtischen Kita „Steinkreis“. Zum Mittagsschlaf sei die Erzieherin mit den Kindern der Gruppe allein gewesen. Bei einer routinemäßigen Atemkontrolle habe sie bei dem Mädchen keine Atmung mehr festgestellt und weitere Erzieherinnen alarmiert. Der Körper des Mädchens sei zu diesem Zeitpunkt bereits leblos gewesen. Das Kind hatte gerötete Augenlider, die üblicherweise bei Gewalteinwirkungen durch Sauerstoffmangel entstehen können.

Das Kind sei nach Atemstillstand, Reanimation und weiterer notärztlicher Versorgung vom Rettungsdienst aus der Kita ins Krankenhaus gebracht worden. Es starb am 4. Mai. Nachdem deutlich geworden sei, dass das Kind schwerste Schäden erlitten hatte, habe das Jugendamt der Stadt ein rechtsmedizinisches Gutachten in Auftrag gegeben, erklärte die Stadt Viersen. Weil die Rechtsmediziner eine Gewalteinwirkung nicht ausschließen konnten, schaltete das Krankenhaus die Polizei ein. Die Erzieherin wurde am 19. Mai festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Sie macht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Im Laufe der Ermittlungen habe man „mit Erschrecken festgestellt“, so der Leiter der Mordkommission, Guido Roßkamp, dass es auch in anderen Kitas zu ähnlichen Vorfällen mit der Erzieherin gekommen sei. Sie reichen bis ins Jahr 2017 zurück. Demnach wurde die Frau bereits bei ihrem Berufspraktikum in einer Krefelder Einrichtung als wenig geeignet beschrieben. Erstmals sei es dann im November 2017 zu einem möglichen Übergriff auf ein Kind gekommen - ähnlich wie in Viersen während der Mittagszeit. Ein dreijähriger Junge sei dort in einem spannungslosen Zustand und mit verdrehten Augen gefunden worden, nachdem die Erzieherin die Aufsicht gehabt hatte. Eingeleitete Untersuchungen hätten aber keine Ursache ergeben.

In einer Einrichtung in Tönisvorst musste ein zweijähriges Mädchen im Oktober 2019 mit Atemstillstand in eine Klinik, das zuvor mit der Erzieherin an der Wickelstation war. Das Mädchen gab später an, die Erzieherin habe ihm mit der Hand fest auf Bauch gedrückt.

Nach Angaben der Stadt Viersen arbeitete die 25-Jährige seit Jahresbeginn in der Kita „Steinkreis“, Mitte April hatte sie die Stelle gekündigt und am 22. April ihren letzten Arbeitstag - einen Tag, nachdem das Mädchen aus der Kita ins Krankenhaus gebracht worden war. (mit dpa/AFP)