Die städtischen Kindertagesstätte in Viersen.
Foto: dpa/Federico Gambarini

BerlinEs ist ein erschütternder Verdacht: Eine Kita-Erzieherin soll im nordrhein-westfälischen Viersen ein dreijähriges Mädchen ermordet haben. Nun rücken die Behörden in den Fokus der Aufmerksamkeit. Sie müssen sich die Frage gefallen lassen: Wieso konnte die 25-Jährige noch als Erzieherin arbeiten, wo sie doch bereits seit 2017 in mehreren Kitas Übergriffe auf Kinder verübt haben soll?

Die dreijährige Greta war aus einer Kita, in der die Verdächtige als Erzieherin gearbeitet hatte, im April mit Atemstillstand in eine Klinik eingeliefert worden und später gestorben. Rechtsmediziner fanden Spuren, die auf Gewalteinwirkung hindeuteten.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass weitere Vorfälle an früheren Arbeitsstätten der Erzieherin geprüft werden. In diesen Fällen kamen die betroffenen Kinder mit dem Leben davon. So musste in einer Kita in Tönisvorst ein zweijähriges Mädchen im Oktober 2019 mit Atemstillstand in eine Klinik, das zuvor mit der Erzieherin an der Wickelstation war. Das Mädchen gab später an, die Erzieherin habe ihm mit der Hand fest auf den Bauch gedrückt. 

Auch die Stadt Kempen hat nach einem früheren Dementi eingeräumt, dass es Vorfälle in einer Kita gab, in der die inzwischen unter Mordverdacht stehende Erzieherin gearbeitet hat. Viermal sei der Notarzt gerufen worden, weil ein Kind über Atemnot geklagt habe, sagte ein Stadtsprecher am Donnerstag. Es seien wie vorgeschrieben Unfallanzeigen über das Jugendamt an die Unfallkasse geleitet worden. Diese seien auch nicht zu beanstanden. „Es lagen keine Anzeichen vor, in eine andere Richtung zu denken“, hieß es.

Der Erzieherin war den Ermittlern zufolge frühzeitig von Vorgesetzten bescheinigt worden, dass sie für den Beruf nicht geeignet sei. So sei sie wenig empathisch gewesen und nicht einmal dann dazwischen gegangen, wenn Kinder mit Eisenstöcken aufeinander losgingen. Arbeitgeber der Erzieherinnen und Erzieher sind die jeweiligen Träger der Einrichtungen. Die Aufsicht obliegt den Landesjugendämtern.

Inzwischen hat das nordrhein-westfälische Familienministerium reagiert und das zuständige Landesjugendamt um einen Bericht gebeten. „Der Verdacht gegen die 25-jährige Erzieherin wiegt schwer und ist unerträglich“, erklärte das Ministerium am Freitag auf AFP-Anfrage. „Unser Mitgefühl gilt den Eltern und den Angehörigen.“

Die Vorfälle um die unter Mordverdacht stehende Erzieherin müssten „gründlich und umfassend aufgeklärt werden“, dazu liefen derzeit Ermittlungen der Behörden. „Sollten sich die schrecklichen Vorwürfe bewahrheiten, muss auch im Detail vor Ort der Frage nachgegangen werden, ob ernsthafte Frühwarnzeichen ignoriert wurden und ob die Vorfälle dem zuständigen Landesjugendamt nicht gemeldet und keine Anzeigen erstattet wurden“, hieß es weiter in der Erklärung. (mit AFP; dpa)