Die Ergebnisse der USA-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel dürften vor allem ihren Amtsvorgänger Gerhard Schröder gefreut haben: Die Einigung zwischen Berlin und Washington zu Nord Stream 2 ist eine gute Nachricht für die staatliche russische Gas-Branche und ihren gut dotierten Botschafter aus Hannover.

Doch für den Rest der deutschen Wirtschaft war die Reise, wie sich jetzt herausstellt, eine herbe Enttäuschung, mehr noch: Die lapidare Mitteilung einer US-Pressesprecherin, man halte das Einreiseverbot für Geschäftsreisende aus der EU aufrecht, ist eine Klatsche für Merkel. Die Kanzlerin hatte sich noch neben US-Präsident Joe Biden stehend zuversichtlich gezeigt, dass das Verbot bald aufgehoben werde. Biden hielt sich seltsam bedeckt – da konnte man schon ahnen, dass Merkels Reise in dieser Hinsicht ein Flop werden würde.

Denn die Amerikaner wissen offenbar genau, was sie tun: Unternehmen aus Deutschland werden blockiert, wenn sie in den USA neue Geschäfte gewinnen wollen. Für die Instandhaltung dürfen deutsche Monteure dagegen mehr oder weniger problemlos einreisen. Es kann also nicht am Virus liegen – denn ist ein Monteur weniger ansteckend als ein Salesman? Außerdem dürfen Geschäftsleute aus dem Hochinzidenzland Türkei oder aus anderen Ländern wie Bulgarien und Rumänien ungehindert einreisen.

Den größten Fehler in dem sichtbar werdenden Handelskrieg haben Merkel und ihre Statthalterin in Brüssel, Ursula von der Leyen, schon vor der Merkel-Reise gemacht: Die EU hat nämlich ihre Grenzen für die Amerikaner geöffnet, in der naiven Hoffnung, der gute Wille werde Washington milde stimmen. Doch die Amerikaner denken gar nicht daran, den deutschen Unternehmen entgegenzukommen. Fairer Wettbewerb sieht anders aus. Auch nach 16 Jahren muss man Merkel sagen: Willkommen in der Realpolitik!