Nun ist er mal weg. Und diejenigen, die ihn so gern weg haben wollten, werden ihn schneller vermissen, als es ihnen lieb sein kann. Denn Klaus Wowereit mit all‘ seinen Fehlern ist ein Gulliver im Berliner Zwergenreich. Keiner der anderen Berliner Politiker kann ihm das Wasser reichen. In der SPD wie in der CDU. Ein überdurchschnittliches Format hat höchstens noch Finanzminister Ulrich Nußbaum, aber der ist erstens parteilos und zweitens bei der Noch-Mehrheitspartei SPD verhasst, weil er tut, was Sozialdemokraten nur selten gern tun: Sparen!

Ja, Wowereits zum Schluss eher selbstherrliche als coole Art, hat zum eigenen, aber auch zum Niedergang seiner Partei beigetragen. Und auch dies ist richtig: Den wichtigsten Grund für seinen Abstieg hat er selbst zu verantworten. Das Desaster beim Flughafen BER. Da war er eben nicht so cool wie er gern tut, sondern hat höchst kleinmütig dabei mitgemacht, die Kosten für das Großprojekt klein zu rechnen. Damit hat er auch dafür gesorgt, dass eine vernünftige Projektsteuerung nicht mehr möglich war.

Aber auch dies Versagen ändert nichts an seinem Format. Er war der richtige Mann, am richtigen Platz, zur rechten Zeit. An seinem „Arm, aber sexy“ haben sich viele abgearbeitet. Aber der Slogan hat den Charme der Weltstadt Berlin auf den Begriff gebracht. Die Stadt hat das Beste aus sich gemacht. Deshalb ist sie heute ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt. Wowereit ist keiner wie der Trümmerbürgermeister Ernst Reuter oder der Identitätsstifter Willy Brandt im Kalten krieg. Er ist, nach einem alten Wort, „ein Mensch in seinem Widerspruch“ – und damit der passende Repräsentant dieser widersprüchlichen deutschen Hauptstadt auf dem Weg zur internationalen Metropole – nun bald gewesen.