Ein Flugzeug im Landeanflug auf Tegel. Gut möglich, dass es auf dem wichtigsten Flughafen im Osten Deutschlands am kommenden Sonntag zu Protestaktionen kommen wird.
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UPDATE 10.11., 11:54: Klimaaktivisten protestieren am Flughafen Tegel.  Einschränkung des Flugverkehrs treten jedoch nicht auf. Unser Redakteuer Peter Neumann ist vor Ort.


BerlinWer am kommenden Wochenende (9./10. November) in Berlin mit dem Flugzeug verreisen will, sollte sich auf Schwierigkeiten einstellen. Aktivisten haben angekündigt, dass sie an einem der beiden Berliner Flughäfen die Arbeitsabläufe stören wollen, um gegen die schädliche Auswirkungen des Luftverkehrs zu protestieren.

Geplant sei, den Betrieb eines Flughafens zu „blockieren“, teilte ein Sprecher der Initiative „Am Boden bleiben“ mit. „Die Aktion findet am Sonntag statt“, sagte er. Da Aktionen zivilen Ungehorsams „gewisse Überraschungselemente“ enthalten, könne zum genauen Zeitpunkt und zum Schauplatz der Protestaktion jetzt noch nichts mitgeteilt werden. Uhrzeit und Ort würden kurzfristig bekanntgegeben.

„Wir glauben, dass es störende Formen des Protests braucht, da die regelkonformen schon viel zu lange ignoriert wurden“, heißt es im „Aktionskonsens“ der Initiative, die ein Ableger des weltweiten Netzwerks „Stay Grounded“ ist. „Wir glauben fest daran, dass wir einen Schritt weiter gehen müssen, um die notwendigen Veränderungen hin zu einer klimagerechten Lebensweise herbeizuführen. Deshalb werden wir bewusst Regeln brechen, um auf die Missstände der Klimakatastrophe hinzuweisen“, so die Aktivisten.

Der BER soll geschlossen bleiben

„Die coolsten Vögel bleiben am Boden“, lautet das Motto. Bestehende Flughäfen müssten zurückgebaut werden, Bau und Ausbau von Airports umgehend gestoppt werden, ist eine der Hauptforderung. Ginge es danach, dürfte der BER in Schönefeld nicht öffnen. Gefordert wird auch die Streichung von Inlands- und Kurzstreckenflügen, eine Reduktion bei Mittel- und Langstreckenflügen sowie die Abschaffung von Bonusprogrammen und Subventionen.

Der geplante Protest richte sich gegen die Flugindustrie, gegen klimaschädliche Politik und gegen die „unhinterfragte Normalität des Fliegens“, so der Aufruf zu der Aktion am Wochenende in Berlin. Flugreisen gefährdeten Ökosysteme und Menschenleben. Ein Flug von Frankfurt am Main nach San Francisco lasse rund fünf Quadratmeter Eis schmelzen – pro Passagier. Außerdem seien Flughäfen „Orte der Diskriminierung, Überwachung, Kontrolle und Ausgrenzung“, so weitere Kritik.

Sicherheit geht vor - kein Vandalismus

Die Aktivisten legen Wert auf die Feststellung, dass die Sicherheit aller Beteiligten für sie oberste Priorität besitzt. „Unsere Aktion richtet sich nicht gegen einzelne Flugreisende, die Flughafenmitarbeitenden oder die Polizei, sondern gegen die Luftfahrtindustrie und die Politik, die deren Macht und Profitinteressen erhält und unterstützt“, betonten sie. „Wir werden deswegen keine Flugpassagiere an ihren Reisen hindern.“ Außerdem solle es keine Zerstörung und Beschädigung materieller Infrastruktur geben.

Ob und in welchem Maße es am Sonntag in Berlin tatsächlich zu Flugausfällen und Verspätungen kommen wird, ist noch nicht absehbar. Offensichtlich gehe es bei der Aktion vorrangig darum, „optische Signale“ zu setzen, sagte eine Beobachterin. „Wir wollen Leute nicht am Fliegen hindern“, sei offenbar die Devise.

Zwar hatten Aktivisten angesichts der Diskussion über die Erderhitzung weltweit immer wieder angekündigt, den als besonders klimaschädlich geltenden Luftverkehr zu stören. Doch bislang kam es deshalb nicht zu Betriebsunterbrechungen – auch nicht, nachdem Extinction Rebellion angekündigt, den London City Airport lahmzulegen.

Umweltverband BUND lobt die Klima-Aktivisten

Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) teilte im Oktober mit, dass sie sich mit den Sicherheitsbehörden austausche.

Lob für die Klima-Aktivisten von „Am Boden bleiben“ kam am Mittwochmorgen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Die Aktion setzt ein Signal gegen den Klimakiller Luftverkehr“, so Tilmann Heuser, Geschäftsführer des Landesverbands Berlin. „Tatsächlich fehlt weiterhin ein klimagerechtes Luftverkehrskonzept, auch für Berlin + Brandenburg.“

Dies habe der BUND Berlin bereits 2016 und dann wieder im Rahmen der Diskussion über den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel eingefordert. „Eine Diskussion über Grenzen des Wachstums des Luftverkehrs ist weiterhin überfällig – nicht nur im Hinblick auf das Klima, sondern auch bezogen auf den Fluglärm“, mailte Heuser, der gerade von Berlin nach Köln unterwegs war – mit der Bahn.