Washington - Kurz nach seiner Ansprache im Garten des Weißen Hauses griff Donald Trump schon wieder zum Handy und sandte eine Twitter-Botschaft in die Welt. „MAKE AMERICA GREAT AGAIN!“, schrieb der US-Präsident in Versalien. Das wirkte ein wenig wie ein ausgestreckter Mittelfinger auf alle Menschen, die Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen für falsch halten. Die haben es nun schriftlich: Der Schutz des Klimas ist Trump egal. Auch die Folgen des Klimawandels scheinen den Populisten nicht im Geringsten zu bekümmern. Trump hat, geht es nach der liberalen Zeitung „New York Times“, die „dümmste Entscheidung seit dem Beginn des Irak-Krieges“ getroffen. 

Weltweite Auswirkungen

Forscher befürchten, dass der Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen zu einer Temperaturerhöhung von bis 0,3 Grad führen könnte. Damit würde das von den Unterzeichner-Staaten festgesetzte Ziel verfehlt werden, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf zwei Grad zu begrenzen. 

Allerdings muss es nicht zwangsläufig dazu kommen. Zwar müssen die USA nach dem Willen ihres derzeit amtierenden Präsidenten derzeit nichts mehr für den Schutz des Klimas tun. Doch der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen auf der Welt kann erst in gut dreieinhalb Jahren formal aus dem Abkommen ausscheiden. Das ist im Herbst 2020 und damit ziemlich genau der Zeitpunkt, an die nächsten US-Präsidentschaftswahlen stattfinden. Ein klimafreundlicher Nachfolger Trumps könnte dann den Ausstieg vom Ausstieg anordnen, die Folgen der vier Jahre Stagnation wären dann relativ klein.

Hoffnung trotz Trumps Entscheidung

Wissenschaftler wie der Kieler Klimaforscher Mojib Latif sagen, dass es auf ein paar Jahre ohnehin nicht ankomme. Das Klima reagiere auf langfristige Entwicklungen. Ähnlich sieht es der Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, Erik Solheim: „Dass sich die USA vom Paris-Abkommen verabschieden, ist nicht so dramatisch, wie viele glauben, weil China, Indien, Europa, die Afrikanische Union, Japan, Kanada – ja, man kann sagen, welches Land auch immer – alle werden ihre Klimaarbeit fortsetzen, und alle werden sich an das Paris-Abkommen halten.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte das am Freitag zu. Das Pariser Abkommen seit nötig, um die Schöpfung zu bewahren, sagte sie in Berlin. In Brüssel versprachen die Spitzen der Europäischen Union und Chinas, nicht vom eingeschlagenen Weg abweichen zu wollen.

Es könnte also sein, dass der Ausstieg der USA aus dem Klima-Pakt die Anstrengungen im Rest der Welt noch verstärkt und damit die negativen Folgen für das Klima überschaubar bleiben. Voraussetzung ist allerdings, dass alle Vertragsstaaten die Klimaziele auch tatsächlich einhalten. Dass etwa Deutschland sein vor drei Jahren festgelegtes Klimaschutz-Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, verfehlen wird, steht laut Umweltministerium schon jetzt fest. Künftig muss die Bundesrepublik den Ausstoß von Treibhausgasen aus Autos und aus der Braunkohleverstromung deshalb umso stärker reduzieren. Auch dürfen keine anderen Staaten dem Beispiel Trumps folgen, soll das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden.

Außerdem machen sich andere Partner-Staaten stark für die Zusammenarbeit: Die EU und China wollen ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel verstärken. Darauf hätten sich beide Seiten bei ihrem Gipfel am Freitag in Brüssel verständigt, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk. Beide Seiten demonstrierten damit Solidarität mit künftigen Generationen. Tusk bezeichnete die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, aus dem Klimaabkommen auszusteigen, als „großen Fehler“. Tusk sagte, der Kampf gegen den Klimawandel werde nun „ohne die USA fortgesetzt“. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker begrüßte, dass China „unsere Unzufriedenheit der amerikanischen Klima-Entscheidung“ teile.

Reaktionen in den USA

Der Ausstieg aus dem Klimaschutz ist in den USA höchst umstritten. Zwei Drittel der Bevölkerung sind nach Umfragen dagegen. Die demokratischen Gouverneure der großen Bundesstaaten New York und Kalifornien erklärten bereits, dass ihnen Trumps Ansage egal sei. Sie würden weiterhin ihre Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel fortsetzen. Selbst Energiekonzerne wollen sich daran beteiligen. Sie setzen, anders als Trump, nicht mehr ausschließlich auf fossile Energieträger. Je sturer sich Trump stellt, desto sturer wird sich auch die künftige inneramerikanische Allianz der Klimaschützer verhalten.

Folgen für arme Länder: Entwicklungsländer sind stärker als Industriestaaten von Trumps Entscheidung betroffen. Die Industriestaaten sollen zugunsten der armen Länder laut Pariser Pakt von 2020 bis 2025 pro Jahr 100 Milliarden US-Dollar mobilisieren, damit sie den Klimaschutz bezahlen können. Außerdem verpflichten sich die reichen Staaten, ärmeren Ländern zu helfen, wenn Schäden durch den Klimawandel entstehen. Die ausreichende Finanzierung entsprechender Fonds ist nach Trumps Ausstiegsentscheidung gefährdet, denn die USA werden kein Geld bereitstellen. Das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ sprach von einer „Katastrophe für die ärmsten Menschen“. Der Klimawandel werde Millionen von Menschen in die Flucht treiben.

Weniger Einfluss

Die USA waren 2015, als das Pariser Abkommen verhandelt wurde, eine treibende Kraft unter ihrem damaligen Präsidenten Barack Obama. Der sagte bereits, Trump verweigere dem Land und seinen Menschen eine gute Zukunft. Ex-Außenminister John Kerry sagte, Trump habe die USA in einen „Umwelt-Paria“ verwandelt.

Zweifelsohne wird der Einfluss der USA bei internationalen Verhandlungen sinken, auch wenn es dort nicht um das Klima gehen sollte. Trump hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass seine Leitlinie „America First“ ist. Schon in ein paar Wochen wird sich zeigen, ob der US-Präsident sein Land noch in anderen Bereichen isolieren will. Dann treffen sich in Hamburg die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten. (mit afp)