Washington - Mit Gegenvorwürfen hat das Weiße Haus auf die heftigen Reaktionen zum angekündigten Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen reagiert. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsidentensprecher Sean Spicer sprach der Chef der US-Umweltbehörde (EPA), Scott Pruitt, am Freitag von einer „mutigen“ Entscheidung.

„Wir haben keinen Grund uns zu entschuldigen“, fuhr er fort und warf insbesondere den Europäern vor, den USA mit dem Abkommen schaden zu wollen. „Warum wollen Europas Spitzenpolitiker, dass wir drin bleiben? Sie wissen, dass es unsere Wirtschaft weiterhin fesseln wird“, sagte Pruitt, der ein entschiedener Befürworter des Austritts ist. Pruitt hat in seinem früheren Amt als Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaat Oklahoma vehement gegen die EPA-Auflagen gekämpft.

Tillerson hebt die Leistungen der USA hervor

Indes hat US-Außenminister Rex Tillerson weniger harte Worte gefunden, um den Schritt  seines Chefs zu begründen. „Es war eine politische Entscheidung und es ist wichtig, dass alle anerkennen, dass die Vereinigten Staaten eine großartige Bilanz bei der Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen vorweisen“, sagte er am Freitag. „Es ist etwas, auf das wir, glaube ich, stolz sein können.“ Er gehe nicht davon aus, dass die Bemühungen in Zukunft zurückgefahren werden.

Ob Trump selbst den Klimawandel inzwischen als „real“ ansehe, wollte der EPA-Chef auch nach mehrfachem Nachhaken nicht antworten. Auch Trumps Sprecher Spicer wollte sich zur Haltung des Präsidenten zur Erderwärmung nicht äußern. Trump selbst überging die Frage einfach, als er bei einem Termin darauf angesprochen wurde.

Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen

Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte er gesagt, dass er nicht an den Klimawandel glaubt. Davor hatte er ihn auch schon einmal als Erfindung der Chinesen bezeichnet, mit dem Ziel, den USA zu schaden. Trump sagt, dass  das Pariser Abkommen einseitig zu Lasten seines Landes gehe und dort Jobs kosten würde. Mit der Ankündigung steht sein Land weitgehend isoliert da, Staats- und Regierungschef in aller Welt bekannten sich am Freitag leidenschaftlich zum Klimaschutz.

Seinen Kritikern versprach Trump, die USA würden das umweltfreundlichste Land der Welt werden. Wie er das erreichen will, verriet er nicht.

Kritiker kündigen Widerstand an

US-Milliardär Michael Bloomberg hat den Vereinen Nationen eine Spende über 15 Millionen Dollar für den Klimaschutz zugesagt. Das Geld solle genutzt werden, um Länder dabei zu unterstützen, ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen zu erfüllen, erklärte Bloombergs Stiftung in der Nacht zum Freitag. Der ehemalige Bürgermeister von New York will gemeinsam mit anderen Organisationen 15 Millionen Dollar an das UN-Klimasekretariat spenden - genau die Summe, die nach dem Sekretariat durch den Ausstieg der USA verloren zu gehen drohen.

„Das amerikanische Volk wird das Klimaabkommen einhalten, und Washington kann uns nicht davon abhalten“, betonte der 75-Jährige. Bloomberg ist UN-Sondergesandter für Städte und Klima.

Auch die Bürgermeister von 50 US-Städten kündigten noch am Donnerstag an, sie würden sich weiter an den Klimakompromiss halten. Viele Bundesstaaten haben ähnliches schon im Vorfeld angekündigt, das liberale Kalifornien schloss mit New York und Washington sofort eine Allianz.

Schwarzenegger kritisiert Trump

Der Chef des Technologie-Riesen Apple, Tim Cook, erklärte eindeutig: „Der Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen war eine falsche Entscheidung.“ Und er versicherte: Sein Unternehmen werde weiter auf saubere Energien und das Recycling von Rohstoffen setzen.

Der ehemalige republikanische Gouverneur Kaliforniens, Arnold Schwarzenegger hat bereits in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, dass er Trump nicht leiden kann. In einem Video,  das in den sozialen Netzwerken verbreitet und millionenfach aufgerufen wurde, sagte der Filmstar, dass ein einziger Mann die Umstellung auf erneuerbare Energien nicht aufhalten könne. „Und ein einziger Mann kann auch nicht in der Zeit zurückgehen. Das kann nur ich“, scherzte der Schauspieler („Terminator“). (dpa/afp)