Kölner Silvesternacht: Warum zog es wieder so viele Nordafrikaner nach Köln?

Berlin - Auch an Tag Drei nach dem vieldiskutierten Polizeieinsatz in Köln sind entscheidende Fragen unbeantwortet - dafür beginnen die Spekulationen. Eine zentrale Unklarheit: Warum haben sich auch in diesem Jahr trotz des Silvesterfiaskos von 2015/16 so viele junge nordafrikanische Männer auf den Weg nach Köln begeben?

Immerhin, so die allgemeine Annahme, musste jedermann davon ausgehen, dass die Polizei mit massivem Aufgebot und einem harten Einsatzkonzept auf die massenhaften Übergriffe und Diebstähle des Vorjahres reagieren würde.

Es ist nicht leicht, einen Innenpolitiker zu finden, der darüber mutmaßen mag, warum dennoch Hunderte Nordafrikaner ausgerechnet in dieser Nacht an diesen Ort wollten.

CDU-Innenexperte Armin Schuster allerdings äußerte eine überaus zugespitzte Annahme: Die „eigentlich wichtige Frage“ sei doch: „Warum wollen eigentlich am gleichen Tag an denselben Ort die gleiche Gruppe wie 2015 Silvester feiern?“, sagte Schuster im ZDF. „Für mich ist das eine Machtprobe gewesen.“ Der Staat müsse wehrhaft bleiben, so der CDU-Politiker, „und wenn eine Gruppe von etwa 2000 Nordafrikanern versucht herauszufinden, ob wir das sind, dann wurde genau mit der richtigen, robusten Sprache geantwortet.“

Steckten also gezielte Provokationen dahinter, womöglich verabredet? Die Frage wurde bereits am Montag gestellt, der Kölner Polizei ebenso wie dem Bundesinnenministerium. Bislang gebe es dafür jedoch keine Anhaltspunkte, erklärten die nordrhein-westfälischen Behörden ebenso wie ein Sprecher des Innenministers. Die Polizei sei selbst überrascht gewesen, dass erneut so viele junge Nordafrikaner anreisten.

Erst in den Zügen gen Köln seien der Bundespolizei entsprechende Gruppen aufgefallen, die sich zudem auffällig verhielten. Die Erkenntnisse seien an die Einsatzleitung weitergegeben worden – nicht aber im Vorfeld, hieß es.

„Gehe nicht von kalkulierter Konfrontation aus“

Auch der Vorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, sagte im RBB-Inforadio, noch sei nicht klar, warum erneut so viele Nordafrikaner nach Köln fuhren. „Wir vermuten, dass dieser Kreis einfach nicht deutsche Medien derart konsumiert, dass sie hätten ahnen können, dass die deutsche Polizei dort gelernt hat aus dem letzten Silvester und jetzt mit massivem Personaleinsatz vor Ort ist“. Viele seien angesichts der Polizeipräsenz überrascht gewesen, „und sind dann abgereist“, so Schulz. „Ich gehe nicht davon aus, dass es eine kalkulierte Konfrontation war.“

Anders als die NRW-Polizei sprach Schulz jedoch auch von Hinweisen, die vorab in sozialen Netzwerken darauf deuteten, dass „sich verabredet wurde, um wieder nach Köln zu fahren und dort massiv aufzutreten“. Eine Rolle spiele aber auch, dass sich in Nordrhein-Westfalen traditionell viele Menschen aus den Maghreb-Staaten angesiedelt haben – und unter dem männlichen Partyvolk, das es in die City zieht, ebenso überproportional vertreten sei wie unter jugendlichen Straftätern.

Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies hatte das Vorgehen, gezielt Nordafrikaner abzufangen und festzusetzen, gegen Kritik verteidigt und nachträglich betont, dass nicht das Aussehen Anlass dafür gewesen sei, sondern aggressives Verhalten. Bereits am frühen Abend hätten sich auf der Domplatte alkoholisierte Gruppen junger Männer aus Nordafrika aufgehalten.