Volles Ornat, hartes Regiment: Königin Suthida musste eine königliche Geliebte neben sich dulden – bis König Rama X. die Konkubine ins Gefängnis werfen ließ. 
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BangkokDer Allgäu Airport in Memmingen hatte nach zweiwöchiger Erneuerung seiner Landepiste gerade erst den Betrieb aufgenommen, als es am 4. Oktober schon rappelte. Zwei Flugzeuge gerieten mit ihren Flügeln aneinander. An Bord der Boeing 737 aus Thailand, die an der bislang verheimlichten Kollision mit Blechschaden beteiligt war, befand sich ausgerechnet „904“, wie das Sicherheitskürzel für Thailands König Vajiralongkorn lautet. Er besitzt seit Jahren einen Pilotenschein für den zweistrahligen Düsenjet. Es ist unklar, ob Phrabat Somdet Phra Vajira Klao Chao Yu Hua, so der offizielle Titel des Monarchen, selbst am Steuerknüppel saß.

Thailands König verbringt den größten Teil seiner Zeit in Deutschland. Er ließ sogar die Verfassung ändern, um während seiner Visiten am Starnberger See keinen Stellvertreter ernennen zu müssen. Sein Grundstück in der Nachbarschaft des deutschen Sängers Peter Maffay trägt eine Plakette mit einer Aufschrift, die es als diplomatisches Gelände kennzeichnet – angeblich aus Sorge vor eifrigen deutschen Steuerfahndern. Dabei zeigt die Bundesregierung bislang wenig Interesse, dem thailändischen Monarchen – er besitzt den 30 bis 40 Milliarden schweren Fond „Crown Property“ in seiner Heimat – zu nahe zu treten.

Entscheidung für Todesstrafe - während er in Deutschland war

Lediglich im letzten Jahr sah Berlin sich genötigt, den König auf deutsche Gesetze hinzuweisen. In Bangkok war ein Krimineller nach einem vergeblichen Gnadengesuch an König Vajiralongkron hingerichtet worden, während der Monarch in Deutschland weilte. Die Todesstrafe ist in Deutschland untersagt und fremde Staatsoberhäupter können zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie auf deutschem Boden gegen deutsche Gesetze verstoßen – selbst wenn es sich um Entscheidungen handelt, bei denen es um das Heimatland der Betreffenden geht.

Doch zurück zum Flughafen von Memmingen: Die Versicherungen haben den Unfall längst geregelt. Eine prominente Passagierin, die wahrscheinlich bei der Kollision Anfang Oktober an Bord war, fehlte ganz bestimmt, als der König von Thailand Anfang November erneut nach Deutschland einflog: Die 34-jährige Sineenat Wongvajirapakdi, im Oktober noch offiziell ernannte Konkubine des Königs. Während Vajiralongkorn zu seinen gewohnten Radtouren in Süddeutschland aufbricht, hockt Koi, so der Spitzname der begeisterten Sportlerin, auf einer Gefängnispritsche im Frauengefängnis Klong Phrem, der weiblichen Abteilung des mit 20000 Gefangenen überfüllten, auch als Bangkok Hilton bekannten Hochsicherheitsgefängnisses.

Thailands König wirft Koi vor, ihre Position genutzt zu haben, um die „Nation zu unterminieren“ – das ließe sich auch dahingehend interpretieren, dass sie selber Königin werden wollte. Wie auch immer, Anfang November gehörte wieder die 41-jährige Königin Suthida zur Delegation, als Vajiralongkorn zu seinem jüngsten Aufenthalt in Deutschland ankam. Sie war bereits vor längerer Zeit zunächst in die Schweiz und später angeblich in ein italienisches Dorf umgezogen, um ihrer Nebenbuhlerin aus dem Weg zu gehen. König Rama X. hatte sie drei Tage vor seiner offiziellen Krönung Anfang Mai geheiratet und auf den Thron befördert.

"Illoyales Verhalten" führte ins Gefängnis

Just am 67. Geburtstag des Königs im Juli verfolgte Königin Suthida mit versteinerter Miene der Zeremonie, bei der ihre Nebenbuhlerin auf dem Boden liegend ihren offiziellen Titel als „königlich adelige Gemahlin“ entgegennahm. Der Rang war zuletzt vor dem Jahr 1932, dem Ende der absoluten Monarchie, vergeben worden. Damals war es üblich, dass Thailands Könige Töchter von Untertanen als „Geschenk“ annahmen. Doch das Glück der 34-jährigen Thailänderin, die einen Generalsrang erhalten hatte, sich als Scharfschützin übte und einen Pilotenschein machte, dauerte nur ein paar Monate.

Einmal, da waren sie glücklich: Der König und seine Konkubine Sineenat. 
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Der königliche Palast nahm bei der Begründung für den plötzlichen tiefen Fall Ende Oktober der Geliebten von Rama X. kein Blatt vor den Mund. Sie habe sich illoyal verhalten und sei der Amtsanmaßung schuldig. In der Begründung in der amtlichen „Royal Gazette“ hieß es gar, Sineenat habe sich „undankbar“ aufgeführt, obwohl der König mit der Ernennung zur „königlich adligen Gemahlin“ versuchte, Frieden in seinem offenbar von Intrigen durchwucherten Haushalt zu schaffen.

Die große Säuberung

Dem tiefen Fall von Koi folgte eine weitreichende Säuberung, die manche Beobachter an die Dramen von William Shakespeare erinnern. Ihre Familie gilt inzwischen als unauffindbar. Der Mittelpunkt der Affäre scheint sich im und rund um das Schlafzimmer des Königs von Thailand abgespielt zu haben. Zwei Schlafzimmerpagen wurden gefeuert. Zwei weitere Höflinge wurden wegen „extrem üblem Verhalten“ geschasst. Ein Hofmeister – angeblich hatte er eine Geliebte zur Abtreibung gezwungen – verlor sein Amt.

Rund ein Dutzend Personen aus dem engen Umfeld des Monarchen verloren ihre Ämter. Im Palast ist längst bekannt, dass der Monarch keine Gnade kennt, wenn sein Zorn erst einmal geweckt wird. Schon kurz nach der Amtsübernahme als König verbannte er langjährige Palastmitarbeiter seines verstorbenen Vaters Bhumibol Adulyadej, denen Korruption vorgeworfen wurde.

Vajiralongkorns dritte Ehefrau Srirasmi Suwadee, Mutter des gegenwärtig in Deutschland zur Schule gehenden, 2005 geborenen gemeinsamen Sohns Prince Dipangkorn Rasmijoti, verschwand völlig aus der Öffentlichkeit. Sieben Mitglieder ihrer Familie wanderten wegen Korruption hinter Gitter. Sirisima selbst wurde auf Anordnung des Königs mit rund 5,5 Millionen US-Dollar abgefunden. Angeblich, es machen allerlei Gerüchte die Runde. Eines lautet, dass beim neuesten Skandal die amtierende Königin hinter den Enthüllungen und Entlassungen stecke. Ein anderes will wissen, dass Vajiralongkorns älteste Tochter, die 1978 geborene Prinzessin Bajrakitiyabha Narendira Debyavati, die Affäre um das Schlafzimmer des Königs ins Rollen brachte. Vielleicht, um die Dynastie zu retten?

Das Militär steht hinter ihm

Den König muss all das nicht mehr kümmern, er kann sich in seiner Position gegenwärtig so sicher wie noch nie fühlen. Der Monarch brachte nämlich die wichtigsten Teile der Streitkräfte in Bangkok unter seine Kontrolle. Armeechef Anupong Paochinda gilt als Vertrauter Vajiralongkorns. Und seit März des vergangenen Jahres wird die Gefolgschaft in der Kaderschmiede „Freiwilliger Geist 904“ herangezogen und auf Linie gebracht. Ziel laut der Webseite des königlichen Palasts: „Entwicklung und Verteidigung des Landes sowie die Ausbildung von Leuten, die loyal zur Monarchie“ stehen. Bislang haben 3000 Thailänder die Kaderschmiede absolviert.