Köthen - Einer der Tatverdächtigen im Fall des in Köthen gestorbenen 22-jährigen Manns sollte abgeschoben werden. Die zuständige Behörde habe bereits im April bei der Staatsanwaltschaft die Zustimmung zur Abschiebung beantragt, dies sei aber aufgrund laufender Ermittlungsverfahren unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zunächst abgelehnt worden, sagte Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) am Montag vor Journalisten in Magdeburg. Erst zwei Tage vor dem Todesfall sei ein neuer Antrag genehmigt worden. Zu diesem Zeitpunkt war das Ermittlungsverfahren so weit fortgeschritten, dass er hätte abgeschoben werden können. Weitere Verfahren hatten sich Keding zufolge zudem erledigt.

In Köthen war in der Nacht zum Sonntag ein 22-jähriger Deutscher gestorben. Zwei tatverdächtige Afghanen im Alter von 18 und 20 Jahren wurden kurz darauf vorläufig festgenommen, am Sonntagabend erging gegen sie Haftbefehl wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Der zweite Afghane hat den Angaben zufolge eine Aufenthaltserlaubnis.

22-Jähriger starb an akutem Herzversagen

Nach Angaben der Ermittler starb der 22-Jährige an akutem Herzversagen. Er litt an einer schweren Herzerkrankung. Es gebe keine Hinweise, dass es zu tödlichen Verletzungen durch Schläge und Tritte etwa gegen den Schädel gekommen sei, sagte Keding. Vor dem Tod des Manns soll es in Köthen zu einer Auseinandersetzung zwischen mindestens zwei Afghanen und mindestens zwei Deutschen gekommen sein, in deren Verlauf der 22-Jährige dann starb.

Zum Tatgeschehen gaben die Ermittler zunächst weiterhin keine Einzelheiten bekannt. „Wir stehen noch mittendrin in den Ermittlungen“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Nopens.

Nach dem Todesfall hatten rechte Gruppen in Onlinenetzwerken zu einer Demonstration aufgerufen, an der sich laut Polizei am Sonntagabend rund 2500 Menschen beteiligten. Darunter waren nach Angaben von Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) auch „400 bis 500 Personen der rechten Szene“ aus Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern. An den Gegenprotesten beteiligte sich demnach 220 Menschen.

Staatsschutz prüft Demo

Der Staatsschutz prüft die Redebeiträge unterdessen auf strafbare Inhalte. Das kündigte die zuständige Polizei am Montagvormittag in Dessau-Roßlau an. Es gehe unter anderem um den Vorwurf der Volksverhetzung, sagte eine Sprecherin. Hintergrund seien zahlreiche Meldungen in sozialen Netzwerken sowie Medienberichten, wonach ein Redner unter anderem von einem „Rassenkrieg“ gesprochen hatte.

Auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), teilte den zugehörigen Videoschnipsel und kommentierte: „Wer sich so äußert, hat den Boden unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung verlassen.“ Wer sich damit gemein mache, habe kein Verständnis verdient. Zu der Demonstration hatten auch bekannte Rechtsextreme aufgerufen. Rund 2500 Menschen nahmen teil. Die Beamten würden das online verfügbare Videomaterial durchforsten und auswerten, sagte die Polizeisprecherin weiter. (afp, dpa)