Senat und Bürger von Berlin! Bis vor zwei Wochen dachten wir, die Entwicklung der Stadt habe die Talsohle erreicht. Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland zog an ihr vorbei, die staatlichen Transferleistungen blieben hoch, aus eigener Kraft konnte Berlin schon lange nicht mehr existieren.
Nur: In den letzten Tagen mussten wir erkennen, dass Berlin regiert wird von Frauen und Männern, die nicht in der Lage sind, die ganze Wahrheit zu sagen, obwohl die Bürger sie längst kennen. Auch mussten wir erleben, wie diese Frauen und Männer ein Desaster anrichteten, von dem sie später nicht wussten, wie es zustande gekommen war. Von der Berliner Verwaltung haben wir schon lange geahnt, dass sie an guten Tagen unfähig ist; dass sie an schlechten Tagen trotzdem glaubt, kompetent zu sein, war neu.

Vielleicht wären auch diese Niederschläge zu ertragen, hätten wir Freitag letzter Woche nicht ein Schauspiel erlebt, dass zu allergrößter Sorge Anlass gibt. Es war die Sondersitzung des Berliner Abgeordnetenhauses zum Flughafendesaster die zur großen Abrechnung hätte werden müssen. Natürlich: Von der Linken war nicht viel zu erwarten, denn sie hat zwei Legislaturperioden an Schönefeld mitgebastelt. Die CDU hat Angst vor Neuwahlen, und in der SPD will und kann niemand den Brutus spielen. So ruhten die Hoffnungen allein auf den Volkstribunen der Grünen und der Piraten. Doch was zur Sternstunde des Parlaments hätte werden können, erreichte nicht einmal das Level einer Zündkerze.

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