Berlin - Wir haben eine Krise, keine Frage. Sie beherrscht die Nachrichten, die öffentliche Debatte, die privaten Gespräche. Und zweifellos weckt sie jede Menge Ängste. Aber muss sie uns völlig das Gehirn vernebeln? Krisen – ob nun das derzeitige Finanzdesaster oder andere Übel – haben die unangenehme Eigenschaft, Sicherheitsreflexe hervorzurufen und konservativen Irrwitz zu stärken. Ist das vielleicht eine Erklärung, möglicherweise eine Entschuldigung? Oder sind die deutschen Männer wirklich nicht mehr bei Trost? Und eine erkleckliche Anzahl von Frauen ebenso wenig?

Jedenfalls haben fast die Hälfte der hiesigen Männer bei einer repräsentativen Umfrage gesagt, dass sie sich die Frau in der traditionellen Rolle als Mutter und häuslichen Wischmop zurückwünschen. Genau 47,1 Prozent. Das traditionelle Modell habe sich schließlich „über Jahrhunderte bewährt“. Und ein gutes Drittel der Frauen stimmt dem zu und findet ebenfalls, das Heimchen am Herd sei doch ein reizender Lebensentwurf. Was habe es denn gebracht, die alte Geschlechterordnung in Frage zu stellen? Nichts Gutes jedenfalls, nur „völlige Verunsicherung“, finden die Befragten. Emanzipierte Frauen würden sich doch einen Dreck um Mann und Familie scheren, hätten stattdessen nur Beruf und Karriere im Kopf.

Krisengerede? Die Tradition als Zuflucht in der Not, weil das Althergebrachte so traulich und bequem daherkommt? Das wäre ja fast zu wünschen. Doch dahinter verbirgt sich weit mehr als nur eine zeitgeistige Volte rückwärts. Hier entlarvt sich das gesellschaftliche Gerede, dass Männer doch wahnsinnig viel dazugelernt hätten, als typisches Oberflächengequatsche. Unter dem Firnis von politisch korrekter Gerechtigkeit für beide Geschlechter, zeichnen sich noch deutlich die konservativen Rollenmuster ab. Kaum auszurotten, erschreckend munter. Sie brauchen die Krise nicht, um lebendig zu werden, wie Untote überleben sie Jahrzehnte und Generationen.

Denn auch das Alter der Befragten kann nicht als Erklärung herhalten. Die Umfrage ist repräsentativ. Und hierzulande leben nur etwa fünf Prozent über 80-Jährige; es ist die Vorkriegsgeneration, ihr kann man rückwärtsgewandtes Denken vielleicht noch verzeihen. Auch Männer über 65, die als Entschuldigung anführen könnten, dass sie über die Gnade der frühen Geburt verfügen und deshalb frauenbewegt völlig unterbelichtet seien, stellen nur an die siebzehn Prozent der Bevölkerung.
Und es kommt sogar noch schöner. Einer der meist missbrauchten Sätze der Bibel, gern von denen zitiert, die den historischen Zusammenhang nicht begreifen, lautet: „Die Frau sei dem Manne untertan.“ Und hierzulande, auch das hat die Umfrage herausgefunden, ist tatsächlich noch immer jeder siebte Mann von diesem Mist überzeugt.

Deshalb mache ich mal einen Vorschlag, der allen Beteiligten hilft und ein echtes Zukunftsprogramm wäre. Malaysia! Dort hat sich vor einigen Monaten der „Club der gehorsamen Ehefrauen“ gegründet. Die Clubfrauen geloben, sich dem Mann zu unterwerfen und stets für seine sexuelle Zufriedenheit zu sorgen. Verlockend, oder? Jetzt bräuchte es nur noch einen Sponsor, der freundlicherweise die Einwegtickets nach Kuala Lumpur beisteuert.