Im syrischen Idlib tobt der Krieg in Syrien weiter.
Foto: AFP/Omar Hajkadour

BerlinDer Krieg in Syrien begann 2011. Zuvor, 2003, hatten US-amerikanische und britische Truppen das irakische Staatswesen dauerhaft zerstört. Auf diese Weise weitete der Westen den Einfluss des Iran im Irak aus und züchtete die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) heran.

Dieser gelang es im Handumdrehen, den demoralisierten irakischen Soldaten ihre frisch aus den USA gelieferten Waffen abzunehmen. Noch bevor es in Syrien richtig kriegerisch wurde, bombte eine westliche Allianz, angeführt von französischen, britischen und US-amerikanischen Luftstreitkräften, die Regierung und Verwaltungselite Libyens weg, um das Land ebenfalls ins Chaos zu stoßen.

Während des nun neunjährigen Krieges in Syrien unterstützte der Westen die Aufständischen, zu denen Dschihadisten, al-Kaida-nahe Gruppen und bald Einheiten des IS gehörten. Die zunächst womöglich demokratisch gesinnten Kräfte arbeiteten mit den islamistischen Freikorps, Heckenschützen und Bombenlegern zusammen, weil diese militärisch effizient waren. Die westlichen Verbündeten Saudi-Arabien und Türkei unterstützten den IS jahrelang direkt, dem es dann gelang, große Teile Syriens mit Angst und Schrecken zu überziehen.

Doppeldeutige Moral deutscher Medien und Politiker

An all dem trägt die Regierung Russlands keinerlei Schuld. Und dennoch tun deutsche Medien und Politiker gegenwärtig so, als wäre der russische Präsident Wladimir Putin der Hauptverantwortliche für die Situation in Idlib: Die Süddeutsche Zeitung fordert „harte Sanktionen gegen Russland“, die Frankfurter Allgemeine Zeitung erfindet einen von Putin gestützten „Vernichtungsfeldzug Assads“ in Idlib.

Zur Erinnerung: Über die Zerstörungen bei der Befreiung der Metropole Mossul wurde in diesen Zeitungen nie systematisch berichtet, weil diese sehr blutige Aktion unter US-Führung und Aufklärungshilfe der Bundeswehr stattfand. Schätzungsweise starben dabei zwischen 6000 und 11000 Zivilisten. Von solchen Zahlen ist man in Idlib noch weit entfernt. Ich sage das nicht rechtfertigend, sondern als Hinweis auf eine gespaltene Moral.

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Türkei unterstützt Terroristen mit Waffen

Mossul musste vom IS freigekämpft werden. Ebenso notwendig bleibt es, Idlib von den dort versammelten Dschihadisten, IS-Männern und internationalen Terroristen (Uiguren, Tschetschenen, wild gewordenen Europäern usw.) zu befreien. Denn genau dort tötete ein US-Kommando 2019 den IS-Anführer al-Bagdadi. Der Nachfolger al-Kuraischi war sofort gefunden. Idlib ist ein Terroristennest!

Und das Nato-Mitglied Türkei unterstützt diese Terroristen seit Langem mit Waffen, nun auch mit Panzern, Raketen und 5000 eigenen Soldaten. Die Türkei hat dort jedoch nichts verloren. Denn sie verletzt die territoriale Integrität eines Staates. Das scheint unsere Regierung aber nicht zu interessieren.

Weg zum Frieden führt über Russland

Übrigens wurde der IS in Syrien nicht nur von einer westlich geführten Allianz und von – mittlerweile von den USA an die türkische Soldateska verratenen – Kurden niedergekämpft, sondern auch – und mit russischer Hilfe – von syrischen Regierungstruppen. Hat sich die Bundesregierung dafür jemals in Moskau und Damaskus bedankt? Der Frieden in Syrien muss gemeinsam mit Russland, der syrischen Regierung und Verwaltungselite gesucht werden. Leicht wird das nicht. Aber es ist nach neun Jahren eines fürchterlichen, vom Westen mit angeheizten Krieges der aussichtsreichste Weg.