In regelmäßigen Abständen loben mich männliche Leser für die „herrliche Frivolität“ meiner Kolumnen.

Nur ein Beispiel. Als ich einmal einen SM-Schnulzenbestseller besprach, wurde ich ständig auf der Straße angehalten: Frau Kiyak, Sie kleine geile Maus! Was hatte ich getan? Ich hatte obszöne Stellen aus der Weltliteratur zitiert. Bloß weil ich wie eine erwachsene Frau über Sex lesen und schreiben kann, bedeutet das nicht, dass ich eigens und in der vergeblichen Hoffnung zum Zwecke der Kontaktaufnahme hinaustrete.

Sollte die deutsche Frauenbewegung in diesem Land zu irgendetwas gut gewesen sein, dann dazu, dass ich als Frau in der Zeitung schreiben darf: Wenn es mir an irgendetwas nicht mangelt, dann an bumswilligen Lesern dieser Kolumne! Hinten anstellen, Freunde! Aber Obacht – wer mich kennt, weiß, wer sich mir auf einen Meter nähert, dem ziehe ich sein Gemächt aus der Hose und gehe damit erst einmal eine Runde Gassi!

Was geht mir diese ganze verklemmte Sexualititis auf die Eier. Ja, ich habe riesige, prächtige Eier! Hier die milliardenschwere amerikanische und europäische Pornoindustrie, da gelöschte Bilder von Brustwarzen und Schamhaaren bei Facebook oder Youtube. Das passiert in der Demokratie, nicht in Syrien! Wie verlogen ist das denn?

Ich kann auch nicht zu H&M gehen. Da werden Baumwollschlüpfer für erwachsene Frauen verkauft, die mit kleinen rosafarbenen Kätzchen bedruckt sind. Die Dinger gibt es in Größe 44 und 46! Da zwinkert eine Schmusekatze auf der bedruckten Scham und wenn die Frau die Unterhose auszieht, ist darunter eine kahl rasierte, eingeölte Babymuschi!!! Was ist denn das für eine Pädokultur? So erzieht die skandinavische Modeindustrie Frauen zu kleinen Mädchen. Schaut mal japanische Internetpornos, made in USA, umsonst und barrierefrei abrufbar in Deutschland. Dreißigjährige Frauen quietschen wie dreijährige Kinder, krümmen sich, stecken den Daumen in den Mund und spielen Missbrauch mit anschließendem Orgasmus. Da will man doch in die freiheitliche Grundwerteordnung hineinkotzen!

Ist noch bekannt, wie Sigrid Löffler und Marcel Reich-Ranicki sich beim literarischen Quartett über Haruki Murakamis Buch „Gefährliche Geliebte“ zerstritten? Löffler bemängelte die Sprache des Japaners und zitierte zum Beweis den Satz: „Ich wollte sie bis zur Hirnerweichung vögeln“. Reich-Ranicki völlig aufgebracht, das Buch berge „eine ungewöhnliche Zartheit“. Löffler kommentierte angeekelt: Ich will keinen Einspruch dagegen erheben, woran Sie sich ergötzen. Reich-Ranicki daraufhin: So ist das immer mit Ihnen, Sie sind prüde! Statt Reich-Ranicki für diese Sexistenscheiße zu feuern, hat man Löffler gehen lassen. Übrigens kann ich mir Sigrid Löffler tausendmal besser beim unkomplizierten Sex vorstellen als Reich-Ranicki.

Da bleibt einem nur, sich in den amerikanischen Lift zurückzuziehen, herzzerreißend infantil zu winseln, derweil zehn Japaner einen so voll ejakulieren, dass man hinterher wie eine voll getropfte, weiße Kerze ausschaut. Sorry. Ich denke es mir nicht aus. Diese Videos sind der Renner im Internet. Mit der Erwähnung der Kerze habe ich gekonnt die Kurve zum besinnlichen 1. Advent genommen.

Es bimmelten süß die Glocken,

Ihre Mely Kiyak