Es war ein Riesenfehler, dass ich nicht wie mein Schulkollege Stefan K. mit Fernschach angefangen habe. Heute gar nicht mehr vorstellbar. In Zeiten von Mail, SMS und Twitter. Stefan K. musste noch Postkarten verschicken. In das westeuropäische Ausland. Darauf schrieb er lediglich seinen nächsten Zug. Womöglich noch einen dürren Gruß. Dann wartete er, bis sein Fernschachpartner erwiderte. Tagelang. Mitunter sogar Wochen.

Hätte ich mich damals für Fernschach entschieden, müsste ich heute keine inneren Kernschmelzen erleben. Wie in den letzten Minuten des Spiels Borussia Dortmund gegen Real Madrid. Als plötzlich doch möglich schien, die Mannschaft um den galaktisch gegelten Cristiano Ronaldo könnte in das Champions-League-Finale flutschen. Doch, manchmal wäre es schön, wenn ich mich nicht für Fußball interessieren würde. Denn „Interessieren“ fasst es überhaupt nicht. Wenn Borussia Dortmund spielt, dann packt es mich am Schlafittchen. Dann laufen elf viel jüngere Männer in ein Stadion ein, von denen ich keinen persönlich kenne. Gleichzeitig steht aber auch mein schwarz-gelbes Selbst auf dem Platz. Gegen Bayern München hebt sich die Leinenpflicht für meinen inneren Schweinehund von alleine auf. Es geht nur um „wir“ gegen „die“.

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