Syrien - Es war der siebte Besuch von meinem Sohn Frederic und mir in Syrien. Mit Worten lässt sich das Ausmaß des Leids auf beiden Seiten kaum noch beschreiben.

Abu Al Ezz, ein Kommandeur der Al-Kaida-Filiale Jabhat Al Nusra, berichtet im Gespräch sehr offen über seine Geldgeber Saudi-Arabien, Katar und Kuwait.

Wir haben die Identität des Mannes genau recherchieren können. Unser Treffen im Steinbruch fand in Sicht- und Schussweite von Jabhat al Nusra statt, den nur ein Mitglied von Al-Nusra gefahrlos erreichen konnte. Seine Kämpfer waren teilweise nicht maskiert.

Ein Teil seiner Aussagen wurde kurz darauf vom Mufti von Aleppo fast wörtlich bestätigt, andere Voraussagen über das Desinteresse der Rebellen an einem Waffenstillstand und an Hilfskonvois der Uno haben sich ebenfalls bestätigt. Zu Beginn des Interviews stellt Abu Al Ezz seine Gruppe vor:

Abu Al Ezz: Wir sind ein Teil von Al-Kaida. Unsere Prinzipien sind: Bekämpfung der Lasterhaftigkeit, Ehrlichkeit und Sicherheit. Das Unglück von einigen ist das Glück der anderen. Unsere Angelegenheiten und unser Weg haben sich geändert.

Zum Beispiel gewährt uns jetzt Israel Unterstützung, da es sich im Krieg mit Syrien und mit der Hisbollah befindet. Auch Amerika hat seine Meinung über uns geändert. Eigentlich waren der IS und wir eine Gruppe. Aber der IS wurde entsprechend den Interessen der großen Staaten wie Amerika für politische Zwecke benutzt. Und von unseren Prinzipien weggelenkt.

Die meisten seiner Führer arbeiten mit Geheimdiensten zusammen, das ist uns klar. Wir, die Al-Nusra-Front, haben unseren Weg. Sie waren früher mit uns, sie waren unsere Unterstützer. Unser Ziel ist der Sturz des diktatorischen Regimes, des Regimes der Abtrünnigen. Unser Ziel ist auch die Durchführung von Eroberungen. Erst in der arabischen Welt, dann in Europa.

Wie ist die Beziehung zwischen Ihnen und den USA? Unterstützen die USA die Rebellen?

Ja, die USA unterstützen die Opposition, aber nicht direkt. Sie unterstützen die Länder, die uns unterstützen. Wir sind damit noch nicht zufrieden. Sie sollten uns mit hoch entwickelten Waffen unterstützen. Wir gewannen die Kämpfe dank der „TOW“-Raketen. Wir haben durch diese Raketen ein Gleichgewicht mit dem Regime erreicht.

Die Panzer haben wir aus Libyen über die Türkei bekommen. Auch die „BMs“ – Mehrfachraketenwerfer. Das Regime übertrifft uns nur mit seinen Kampfflugzeugen, Raketen und Raketenwerfern. Wir haben einen Teil ihrer Raketenwerfer erbeutet und einen großen Teil aus dem Ausland bekommen. Aber wir haben durch die US-„TOW“-Raketen die Lage in einigen Gebieten unter Kontrolle.

Wem haben die USA die Raketen gegeben, bevor sie zu euch gebracht wurden? An die Freie Syrische Armee?

Nein, die Raketen wurden uns direkt gegeben. Sie wurden an eine bestimmte Gruppe geliefert. Als die „Road“ gesperrt war und wir belagert wurden, hatten wir Offiziere aus der Türkei, Katar, Saudi-Arabien, Israel und Amerika hier.

Was machten diese Offiziere?

Experten! Experten für die Nutzung von Satelliten, Raketen, Aufklärungsarbeiten und thermischen Überwachungskameras ...

Gab es auch US-Experten?

Experten aus mehreren Ländern.

Auch Amerikaner?

Ja. Die Amerikaner stehen auf unserer Seite, aber nicht so, wie es sein sollte. Zum Beispiel wurde uns Folgendes gesagt: Wir müssen das „Bataillon 47“ erobern und einnehmen. Wir haben von Saudi-Arabien eine Million Dollar bekommen. Für die Übernahme der Infanterie-Schule in Al Muslimiya vor Jahren bekamen wir aus Kuwait 1,5 Millionen kuwaitische Dinar und aus Saudi-Arabien fünf Millionen Dollar.

Von den Regierungen oder von Privatpersonen?

Von den Regierungen.

Das Regime ist stark und bekommt Unterstützung aus Russland.

Wir werden kämpfen bis zum Sturz des Regimes. Wir werden Russland und den Westen bekämpfen, da der Westen nicht auf unserer Seite steht. Der Westen schickt uns nur Mudschaheddin, er erleichtert diesen Kämpfern den Weg. Warum unterstützt der Westen uns nicht richtig? Wir haben viele Kämpfer aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Amerika, aus allen westlichen Ländern.

Sie haben Kämpfer aus Europa in Aleppo bei der Al-Nusra-Front?

Viele, viele, viele!

Wie sehen Sie den Waffenstillstand?

Wir erkennen den Waffenstillstand nicht an. Wir werden unsere Gruppen umverteilen. Wir werden in wenigen Tagen einen überwältigenden Angriff gegen das Regime durchführen. Wir haben unsere Streitkräfte in allen Provinzen umgruppiert.

Wie ist Ihre Meinung über die Hilfslieferung von 40 Lkw für den östlichen Teil von Aleppo?

Wir haben Forderungen: Solange sich das Regime entlang der Castello Road, in Al Malah und in den nördlichen Gebieten befindet, werden wir diese Lkw nicht hereinlassen. Das Regime muss sich aus allen Gebieten zurückziehen.

Warum haben sich einige Ihrer Gruppen von der Castello Road zurückgezogen?

Das Regime hat gegen uns hoch entwickelte Waffen verwendet. Wir haben einen Rückschlag erlitten. Daher haben wir uns zurückgezogen, um uns zu erholen und das Regime erneut angreifen zu können. Aber dieser Angriff muss zum Sturz des Regimes führen.

War das Ziel der Taktik der Erhalt von Nahrungsmitteln oder die Umverteilung von Kämpfern?

Wir waren mit dem Waffenstillstand nicht einverstanden.

Gilt das nur für die Al-Nusra-Front oder für alle anderen Gruppen?

Das ist gültig für alle mit uns integrierten Gruppen.

Islamische Front, Islamische Armee?

Die sind alle mit uns. Wir alle sind die Al Nusra-Front. Eine Gruppe wird gebildet und nennt sich Islamische Armee oder Fateh Al Scham. Doch der Glaube ist einheitlich. Der generelle Name ist Al-Nusra-Front. Eine Person hat z. B. 2 000 Kämpfer. Dann bildet sie aus dieser eine neue Gruppe und nennt diese Ahrar Al Scha. Brüder, deren Glaube und Ziele identisch mit Al Nusra sind.

Ist das Ihre Meinung oder auch Meinung der höheren Führungsebenen?

Das ist die allgemeine Meinung. Aber wenn ein Mensch zu Ihnen kommt und aus dir einen ,moderaten Kämpfer‘ macht und dir Essen und Trinken anbietet, akzeptieren Sie das oder nicht?

In diesem Krieg wurden 450 000 Menschen getötet. Wenn der Krieg weitergeht, wird das ganze Land zerstört. In Deutschland hatten wir einst den Dreißigjährigen Krieg.

Wir sind seit nur fünf Jahren im Krieg, das ist im Vergleich wenig!

Würden Sie jemanden aus dem Assad-Regime in einer Übergangsregierung akzeptieren?

Wir akzeptieren niemanden aus dem Regime oder von der Freien Syrischen Armee, der als moderat bezeichnet wird. Unser Ziel ist der Sturz des Regimes und die Gründung eines islamischen Staates gemäß der islamischen Scharia. Wir akzeptieren keinen säkularen Staat.

Die Verhandler von Aloush, die nach Genf gereist sind, haben eine Übergangsregierung akzeptiert.

Es gibt in Syrien Söldner. Aloush kämpft mit der Al-Nusra-Front. Die Gruppen, die die Türkei aufgenommen hat und aus denen sie eine moderate Freie Syrische Armee gemacht hat, waren vorher mit der Al-Nusra-Front. Diese Leute sind schwache Menschen, sie haben sich verkauft. Sie müssen die Befehle ihrer Unterstützer durchführen.

Die Islamische Armee und die Islamische Front verhandeln in Genf.

Weil ihre Führer im Westen produziert wurden. Sie werden von den westlichen Geheimdiensten und von Geheimdiensten der Golfstaaten betreut und bezahlt, damit sie die Ziele dieser Länder verwirklichen. Wir sind hier auf der vordersten Beobachtungsstation im Gebiet Scheikh Said. Dieses Gebiet ist unter unserer Kontrolle. Hinter den Häusern und in Al Majbal sind die Regime-Soldaten. Unsere Streitkräfte sind 200 Meter von hier entfernt.