Berlin - Diese Einheitsfeier zum Tag der Deutschen Einheit ist anders. Denn während die Deutschen eigentlich die Wiedervereinigung feiern sollten, scheint die Kluft in der Gesellschaft nur wenige Tage nach der Bundestagswahl nie zuvor so messbar gewesen zu sein. Der Rechtsruck in Deutschland wurde jetzt mit Zahlen belegt. Das bedeutet: 27 Jahre nach der Wiedervereinigung ist nichts gut.

Die Erwartungen an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier waren daher groß: Verharrt das Staatsoberhaupt in dieser besonderen Situation im  3. Oktober-Feiertags-Sprech? Oder legt er den Finger in die Wunde und versucht den Spagat, den Zuversichtlichen weiterhin Mut zuzusprechen und gleichzeitig die Sorgen der Denkzettelwähler, Wutbürger und Protestkreuzchenmacher ernst zu nehmen?

Ja. Er schafft Letzteres. Steinmeiers Worte sind stark, sie machen Mut, zeigen aber auch wie fragil unsere Welt geworden ist. Seine Worte beschönigen nichts, sie fordern aber. Die erinnern nämlich auch daran, dass man die Verantwortung für ein gutes, friedvolles Miteinander nicht abgeben kann, nicht abgeben sollte, da Demokratie ein partizipativer als auch dynamischer Vorgang ist.

„Verstehen und verstanden werden ist Heimat“, sagt Steinmeier. Das bedeutet auch: In den Dialog treten, zuhören, argumentieren. Jeder von uns. Die Politik wird nicht drum herum kommen, Selbiges zu tun. Das alles wird Kraft kosten. Aber wert ist es alle mal.