Das Wrack der MH 17 wurde in den Niederlanden rekonstruiert.
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BerlinEs war ein Albtraum, kein einfacher Flugzeugabsturz. Die Menschen seien in ihren Sesseln vom Himmel geflogen wie ein Schwarm großer Vögel, erzählte ein Augenzeuge. Der Rumpf der Boeing mit der Flugnummer MH 17 war in 10.000 Meter Höhe zerfetzt worden, die Trümmer und die Toten regneten auf Felder und Vorgärten nördlich der Grubenstadt Tores.

Am 17. Juni 2014 war eine malaysische Passagiermaschine über der prorussischen Rebellenrepublik Donezk abgeschossen worden, alle 298 Insassen, darunter vor allem Niederländer, starben.

Russlands Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

An diesem Montag beginnt in Schiphol der Prozess gegen die Männer, die für das Massaker in der Luft verantwortlich sein sollen. Ein Kriegsverbrecherprozess. Angeklagt sind Igor Girkin, russischer Feldkommandeur und „Verteidigungsminister“ der Donezker Rebellenrepublik, zwei weitere Russen und ein Ukrainer.

Das Verfahren scheint etwas Schräges zu haben. Ganz offenbar hat keiner der Angeklagten auf den Startknopf des Buk-Systems gedrückt. Andererseits sind zwei der Angeklagten russische Berufsmilitärs, die den Transport des Buk-Systems aus Russland mit organisiert haben sollen. Die Ermittler bezeichnen die 53. russische Luftabwehrbrigade als Besitzerin der Buk. Mit anderen Worten, das russische Verteidigungsministerium.

Der Minsker Friedensprozess, in dem Putin den Vermittler mimt, könnte zur Posse geraten.
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In Moskau herrscht Nervosität, offizielle Sprecher nennen den Prozess eine „Posse“. Kein Wunder. Moskau muss fürchten, dass das Urteil seine immer geleugnete Militärintervention in der Ostukraine zur juristischen Tatsache macht, die die internationale Gemeinschaft kaum ignorieren kann. Auch der Minsker Friedensprozess, in dem Putin den Vermittler mimt, geriete dann zur Posse.