In einigen Regionen Afghanistans kämpfen die Taliban gegen lokale Gruppen. Die US-Armee spricht von der Möglichkeit eines Bürgerkriegs. Dieser könnte sich zu einem breitflächigeren Konflikt auswachsen: Die Ankunft des Chefs des gefürchteten pakistanischen Geheimdiensts ISI in Kabul lässt bei den Nachbarstaaten die Alarmglocken schrillen. China buhlt um die Taliban und will die Neue Seidenstraße in der Region voranbringen. Indien hat mit Pakistan einen äußerst fragilen Waffenstillstand im Kaschmir-Streit geschlossen und beobachtet jede Ausweitung des pakistanischen und damit verbunden des chinesischen Einflusses mit Argwohn. Sehr schnell kann der Konflikt auf der globalen Ebene eskalieren: Russland befürchtet eine Destabilisierung durch islamistische Terroristen oder Söldner, die USA wollen Pakistan um jeden Preis halten und das bestehende Militärbündnis Pakistans mit China so massiv als möglich unterhöhlen.

Erst vor wenigen Tagen hatte die US-Sonderbeauftragte, Victoria Nuland, betont, dass Pakistan ein kritischer Partner für die US-Interessen in der Region sei. Die Idee des japanischen Außenministers, einen multilateralen Gipfel zu Afghanistan abzuhalten, wäre vom Grundsatz her sinnvoll. Allein: Wie sollte das funktionieren? Nicht nur weiß der Westen nicht, was er in Afghanistan soll, wie die Russen zutreffender Weise beklagen. Fast jede Großmacht arbeitet mit verdeckten Operationen und Täuschungen. Niemand weiß mehr genau, wer hinter wem steckt. Daher sind auch die Handlungsmöglichkeiten für offizielle Regierungen eingeschränkt: Söldner arbeiten für ihre Auftraggeber. Wenn diese wechseln, kämpfen sie gegen jene, deren Dienstleister sie lange Jahre waren. Regierungen sind Zuschauer. In dieser Hinsicht ist die Welt insgesamt so geworden wie Afghanistan.