Vielleicht ist es ja ein Königsweg: Alle reden bevorzugterweise über Krieg, wenn es um Europa geht. Der Kulminationspunkt der militaristischen Rhetorik ist die Ukraine-Krise. Aufrüsten, Eskalieren, Drohen – das sind die Schlagworte der Stunde. Annalena Baerbock dagegen reist nach Moskau und zeigt sich erfreulich resistent gegen die einfallslosen politischen Gewaltfantasien. Sie sagte in Moskau, ohne Russland, dem größten Land der Welt, werde es keine Lösung in der Klimakrise geben. Sie bringt konkrete Ideen mit: Aufforstung des riesigen Brachlands, um Europa eine neue „grüne Lunge“ zu verpassen, oder die Zusammenarbeit im Bereich „grüner Wasserstoff“. Zu Erdgas sagt sie, wir würden es noch eine Zeit lang brauchen, als Übergangstechnologie.

Das klingt glaubwürdig und vernünftig. Viele Medien dagegen rezipieren den Auftritt eindimensional. So lautet das Fazit einer Nachrichteagentur: „Baerbock betont in Moskau Dialogbereitschaft – und richtet Warnung an den Kreml“. Baerbock wollte sich jedoch nicht auf das Spielfeld der Militaristen zwingen lassen.

Sie bietet Russland eine echte Perspektive. Auch wenn am Ende die Realpolitik über alle schönen Visionen hinwegfegen mag: Man muss Russland nicht zwangsläufig immer nur als Rohstoff-Monolithen sehen, der bis zum bitteren Ende ausgebeutet werden muss – Hauptsache von den „richtigen“ Oligarchen. Man kann Russland auch als Teil der europäischen Kultur- und Naturlandschaft sehen, die für das Weltklima eine entscheidende Rolle spielen wird.

Hier eröffnet sich für Moskau ein neuer Weg zur überfälligen Diversifizierung seiner durch Korruption ausgehöhlten Wirtschaft. Deutschland und Russland sind logische Partner. Wenn beide sich dem neuen Denken öffnen, kann Sinnvolles entstehen. Am Ende gibt es vielleicht sogar einen echten Frieden.