Boris Johnson scheint wild entschlossen, eine mögliche Verlängerung der Verhandlungen über das Jahresende 2020 hinaus auszuschließen. 
Foto: AFP/ JessicaTaylor

LondonDanke, tschüs, ade: Großbritannien wird sich Ende Januar aus der EU verabschieden. Nach 43 Jahren und einem Monat. Das Unterhaus in London hat am Freitag dem Austrittsvertrag zugestimmt. Nur noch Formsache ist die Zustimmung des Oberhauses und des Europaparlaments. Das Brexit-Drama ist damit aber leider noch nicht zu Ende. Noch immer droht ein ungeregelter Austritt.

Bis Ende 2020 wollen die britische Regierung unter Boris Johnson und die EU regeln, wie die Beziehungen zwischen dem Inselstaat und Kontinentaleuropa in der Zukunft aussehen sollen. Das sind elf Monate. Weil aber jeder einzelne der 27 verbliebenen Mitgliedsstaaten der EU dem neuen Vertrag in seinem Parlament zustimmen muss, bleibt faktisch nur Zeit bis Herbst. Das ist sportlich. Und es ist wenig wahrscheinlich, dass es gelingt. Denn Voraussetzung dafür wäre ein Vertrauensverhältnis zwischen den Verhandlern. Doch mit dem Vertrauen ist es so eine Sache.

Das liegt an Johnson. Er scheint wild entschlossen, eine mögliche Verlängerung der Verhandlungen über das Jahresende 2020 hinaus auszuschließen. Das könnte sich als schwerer Fehler herausstellen. Natürlich sind solche Ankündigungen da, um Druck auf die EU-Seite auszuüben. Doch die EU hat es vergleichsweise gut. Sie braucht Großbritannien weniger als das Vereinigte Königreich die EU. Verhandlungspfusch schadet den Briten, denen Johnson für die Zeit nach dem Brexit eine rosige Zukunft versprochen hat. Er hat es in der Hand. Wenn Großbritannien zusichert, sich auch künftig in Steuerfragen, im Arbeitsrecht und in Sozialbereich eng an EU-Standards zu halten, könnten die Verhandlungen erfolgreich beendet werden.