Es war eine Woche wie eine Warnung: Sie begann mit Rock gegen Rechts in Chemnitz; gefolgt von der Meldung, dass ein dritter Verdächtiger für den gewaltsamen Tod von Daniel H. ein 22-jähriger Asylbewerber aus dem Irak ist; von einer Umfrage, laut der die AfD in Ostdeutschland stärkste Kraft ist – und sie endete parallel mit der tödlichen Schlägerei zwischen Afghanen und Deutschen samt Trauermarsch in Köthen und der Parlamentswahl in Schweden, nach der man erleichtert war, dass das Plus der Populisten etwas kleiner ausfiel als befürchtet.

Wer einwendet, all das dürfe man nicht vermischen, mag formal recht haben. Aber es ergibt eine Botschaft: Der Unmut, den ein großer Teil der Bevölkerung gegenüber der Zuwanderung nach Europa empfindet, wird nicht durch Wegducken oder beharrliches Gegenhalten verschwinden.
Nicht durch Rockkonzerte, wo Zehntausende gegen Fremdenangst aufstehen. Nicht durch den – absolut lobenswerten – Appell, tolerant zu bleiben. Erst recht nicht, indem man der sozialdemokratischen Regierung in Schweden oder der großen Koalition in Deutschland – wenn auch zu Recht – bescheinigt, in der Flüchtlingsfrage „auf der richtigen Seite der Geschichte“ gestanden zu haben, wie einst Barack Obama.

Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Erfolg von Populisten ist offensichtlich

Das Wahlergebnis in Schweden zeigt erneut: Es ist sinnlos, den Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Erfolgen von Populisten zu leugnen. Schweden nahm, gemessen an seiner Größe, mehr Flüchtlinge auf als Deutschland – und wurde dafür vom Rest Europas durch Verweigerung ihrer fairen Verteilung bestraft. So ging es zuvor auch Italien, dessen Überforderung auch von Angela Merkel aktiv ignoriert wurde – heute regiert dort Rechtsaußen. Auch die AfD wäre wohl kleiner geblieben, hätte Merkel eine europäische Lösung vorweisen können. Allein das Signal, den Zustrom einzudämmen und härter abzuschieben, konnte hier wie da die Verluste der Regierenden nur leicht begrenzen.
Insofern ist der Impuls, die Rechts-Wähler pädagogisch zurück auf die „richtige Seite“ zu ziehen, verständlich, aber falsch.

Vielmehr müssen die Globalisierungsgewinner, die die Moderne samt Multikulti eher aufregend finden, einsehen, dass man unabhängig von sozialem Status, Bildung und Alter auch Ängste damit verbinden kann. Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Aber die Auffassung, Zuwanderung müsse gestoppt werden, ist eine legitime Ansicht und wird sich stets auf dem Wahlzettel wiederfinden.
Es war bisher fast schon ein Automatismus, jetzt in Schweden und demnächst in Sachsen: Wer die Sorgen, die viele Wähler mit Blick auf die Zuwanderung empfinden, nicht angeht, überlässt sie den Populisten – obwohl die nie Lösungen bieten. Doch sie holen die Leute ab, wo ungute Gefühle stärker sind als kühle Fakten. Und so ist es mit Blick auf Chemnitz und Köthen eben kein unbedeutendes Personenstandsmerkmal wie Augenfarbe oder Beruf, ob ein Verdächtiger Asylbewerber ist.

Perspektivlose junge Männer neigen zur Gewalt

Zwar kann man versuchen, Ängste mit Fakten überwinden. Zu diesen Fakten gehört aber, dass perspektivlose junge Männer auch unter Deutschen statistisch häufiger zu Gewalt neigen – und dass heute in dieser Gruppe auch Tausende geflohene, oft traumatisierte (Ex-) Minderjährige sind, die entweder auf ihre Abschiebung oder, teils vergeblich, auf den Nachzug ihrer Familie warten. Wenn man Masterpläne braucht, dann zu ihrer Integration.

Auch in Deutschland muss der Kreislauf an Schuldzuweisungen für Vergangenes enden, in dem Merkel und CSU-Chef Seehofer gefangen sind. Dazu gehört der ehrenwerte, aber bis auf weiteres nutzlose Ruf nach „europäischer Solidarität“. Die Politik muss mit der Lage umgehen, wie sie jetzt ist; Kompromisse finden. In Deutschland wäre ein Ansatz der Spurwechsel von Asyl- zu Einbürgerungsverfahren; auf EU-Ebene könnten integrationsunwillige Staaten Abgaben zahlen, die Ländern wie Schweden oder Deutschland bei der Integration helfen. Europa sollte kreativ und klug genug sein, solche Lösungen zu finden, statt weiter ohnmächtig auf den Durchmarsch der Populisten zu starren.