Greta Thunberg.
Foto: Andrea Comas/AP Photo

BerlinLassen wir mal all das beiseite, was am Wochenende in der Social-Media-Welt für Aufruhr gesorgt hat: Die plumpe Twitterei der Deutschen Bahn über Greta Thunberg und deren ICE-Reise durch Deutschland. Oder auch der Vorwurf an die Klimaaktivistin, sie habe verheimlicht, dass sie zumindest einen Teil der Strecke in der 1. Klasse verbracht habe. All das ist seltsam überdreht, ohne weiteren Erkenntnisgewinn. „Überfüllte Züge sind ein großartiges Zeichen…“, hatte Greta noch getwittert. Sind sie das wirklich? Oder ist es nicht so, dass ICE-Züge, die voll sind wie Sardinenbüchsen, eher abschreckend wirken?

Fest steht, dass es in den Fernzügen absehbar noch enger werden wird. Die Senkung der Mehrwertsteuer wird diesen Trend weiter befördern. Die Preissenkung wird Millionen zusätzliche Fahrgäste anlocken. Politik und Deutsche Bahn laufen in eine Situation hinein, die mehr Frust bei den Reisenden erzeugen wird.

Nie waren die Voraussetzungen besser - sie müssen aber auch genutzt werden

Daran ändern auch die aktuellen Ankündigungen der Bahn nichts. Allenfalls legen sie die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit nur weiter offen. Die Milliardenoffensive zum Kauf neuer Züge, der Umstieg auf einen Halbstunden-Takt oder die geplante Grundsanierung des Netzes – all das ist richtig und lange überfällig. Aber es wird eben nicht über Nacht zu den gewünschten Verbesserungen führen.

Greta Thunberg ohne Sitzplatz.
Foto: Instagram/Greta Thunberg

Doch Grund für Zuversicht gibt es. Nie waren die Voraussetzungen für die Bahn besser als heute. Dem Staatskonzern steht mehr Geld für Investitionen zur Verfügung als je zuvor. Eine riesige Chance ist das, für die Republik und fürs Klima. Der Bahn-Vorstand muss nun alles daran setzen, sie auch zu nutzen.