Berlin - Nun ist er also gefunden, der Bundespräsident. SPD, CDU und CSU haben sich für Außenminister Frank-Walter Steinmeier entschieden. Noch ist er nur der Kandidat, aber die drei Parteien haben eine so satte Mehrheit in der Bundesversammlung, dass andere kaum noch Chancen haben.

Die Entscheidung für Steinmeier ist eine vernünftige Entscheidung. Steinmeier steht für Ruhe und Ausgeglichenheit, das ist als Bundespräsident sehr nötig. Als Zuspitzung und Polarisierung gefragt waren, im Bundestagswahlkampf 2009, scheiterte er. Selbst bei der Linkspartei stellen einige milde fest, dass die Sozialreformen der Agenda 2010, die Steinmeier mitverantwortete, eine Weile her sind.

Was Steinmeiers Kür überschattet, ist das Auswahlverfahren: Das Problem war nicht, dass sich die Koalition Zeit ließ. Das Problem war, dass offenbar einfach niemand zu finden war. Für das höchste Amt im Staat hagelte es so viele Absagen potenzieller Kandidaten, dass man glauben konnte, Schloss Bellevue sei nicht der Sitz des Bundespräsidenten, sondern ein Ort des Schreckens, eine Geisterbahn. SPD-Chef Sigmar Gabriel nutzte die Ratlosigkeit und schob unabgesprochen Steinmeier nach vorne. Er hätte ihn möglicherweise anders nicht durchsetzen können und hat damit letztlich einen Sieg errungen, ein letztes Meisterstück, das ihm die Kanzlerkandidatur sichern dürfte. Seinen Konkurrenten, dem EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz, könnte er das Außenamt andienen. Es ist ein Coup, ein Ausweis von Teamfähigkeit in der Koalition war es nicht.

Ärger bei der Union

In der Union wird sich der Ärger darüber, dass man Steinmeier mangels eigener Vorschläge zustimmen musste, tief einnisten. 2010 hat sich Merkel von der FDP austricksen lassen und musste dann Gauck akzeptieren, nun wurde sie von Gabriel überrumpelt. Der ewige Vorwurf an Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, sie tue zu wenig für die Profilierung ihrer eigenen Partei, bekommt neue Nahrung. Die CSU spielt dies schon geschickt – und lenkt damit davon ab, dass sie einen Kandidaten der Grünen verhinderte, der wiederum wohl die SPD in eine arge Bredouille gebracht hätte.

So gibt es nun einen Kandidaten, der auch Präsident sein wird. Nach Konsens und Einigkeit allerdings sieht es in Berlin nicht aus.

Allerdings: Auch die Union, die den scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck zunächst unbedingt verhindern wollte, hätte diesen mittlerweile am liebsten im Amt behalten.