Berlin - Schön wäre es gewesen, sich die Euro-Krise als das Problem kleiner Länder an der Peripherie vorstellen zu können. Jetzt aber steht Italien am Abgrund und damit genau dort, wo sich Griechenland, Portugal und Irland befanden, bevor sie unter den Rettungsschirm schlüpfen müssten. Selbst der angekündigte Rücktritt von Regierungschef Silvio Berlusconi kann die Gemüter der Investoren nicht nachhaltig beruhigen. Wie auch? Zwar ist es überfällig, dass dieser Skandalpolitiker von der Bühne verschwindet. Aber keiner weiß, ob sein Nachfolger das Land besser steuern wird.

Damit sind alle Hoffnungen erledigt, dass es gelingen könnte, die Krise regional einzudämmen. Sie greift auf das Zentrum Europas über und erfasst die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion. Bald auch die größte? Die Gefahr nimmt zu. Zu Recht warnt die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, vor einem verlorenen Jahrzehnt für die Weltwirtschaft. Für Deutschland sagt der Sachverständigenrat einen abrupten Fall aus luftigen Höhen voraus, sollte sich der Virus von Athen und Rom weltweit ausbreiten.

Die Zuspitzung stellt in erster Linie der italienischen Politik ein Armutszeugnis aus. Am Ende aber werden auch Angela Merkel und Nicolas Sarkozy nicht umhin kommen, die gerade getroffenen Gipfelbeschlüsse nachzubessern. Wenn Italien wankt, werden sich auch die Rettungspakete eine neue Dimension bekommen müssen.