Nach der Wahl ist vor der Wahl, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt und damit ihre CDU vor allzu großer Ausgelassenheit angesichts des Überraschungssiegs im Saarland gewarnt.

CDU bleibt in NRW in der Defensive

Selten wird das so deutlich wie jetzt: Nur eine Woche nach dem Triumph im kleinesten deutschen Flächenland eröffneten die Parteien den Wahlkampf im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen, für das das Saarland wie ein kleiner Regierungsbezirk wirkt.

Die SPD ist weiter siegessicher. Die CDU ist zwar nicht mehr ganz so nervös wie vor der Saarlandwahl, bleibt aber deutlich in der Defensive. Der Streit über die Flüchtlingspolitik wirkt nach, der Umfragerückstand ist trotz gegenteiliger Bekundungen psychologisch fatal, und auch Spitzenkandidat Armin Laschet wird von einem Teil der Partei allenfalls halbherzig unterstützt.

Merkel hat nun – zwangsläufig - in Punkto Angriffslustigkeit einen halben Gang zugelegt. So schwungvoll wie Kanzlerkandidat Martin Schulz wird sie kaum werden. Der versteht es ganz offenkundig, mit Verweisen auf Traditionen, Geschichte und die Bedrohung von Rechtsaußen die Partei in lange nicht gekannte Kampfeslaune zu versetzen.

Erste Ersatzszenarien im Denken der CDU erkennbar

Die Begeisterung der SPD für das Stichwort „Gerechtigkeit“ ist spürbar höher als die der CDU für Merkels „soziale Marktwirtschaft“. In der CDU fängt man daher an, über Ersatzszenarien nachzudenken: Nicht nur ein Wahlsieg wäre demnach ein Sieg, sondern schon ein Stimmenzugewinn oder auch eine Regierungsbeteiligung als kleiner Partner in einer großen Koalition. Nach der NRW-Wahl ist schließlich vor der Bundestagswahl.