Es ist nicht falsch, was die Linke sagt. Es ist nur lückenhaft.
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BerlinJetzt ist der Aufschrei groß. Der linke Verteidigungsexperte Alexander S. Neu spricht von „notorischen Alleingängen und Rechtsbrüchen der USA“, die „zur Chaotisierung der gesamten Region geführt“ hätten. Seine Fraktionskollegin Sevim Dagdelen ist der Meinung, die Bundesregierung müsse nun gegen „die US-Kriegspolitik“ aktiv werden. Die Linksfraktion fordert Sondersitzungen des Auswärtigen Ausschusses sowie des Verteidigungsausschusses. Grund ist die Ermordung des iranischen Generals Ghassem Soleimani.

Es ist nicht falsch, was die Linke sagt und fordert. Nur sind die Statements mal wieder gnadenlos einseitig, und die Inszenierung als Friedenspartei ist mal wieder gnadenlos unglaubwürdig.

Denn derlei ist nicht zu hören, wenn russisches Militär dem syrischen Diktator Baschar al-Assad hilft, das eigene Volk zu massakrieren. Es ist auch nicht zu hören, wenn Russland und China im Weltsicherheitsrat humanitäre Hilfe für Millionen Syrer blockieren und der Iran mit beiden Staaten ein Manöver abhält.

Aspekte fallen unter den Tisch

Zugleich bleibt der Anteil des Iran an den Spannungen in der Region völlig unerwähnt: die Hilfe für die Hamas im Gaza-Streifen und die Hisbollah im Libanon, das Zündeln im Jemen, die Agitation gegen Israel, das brutale Vorgehen gegen die Opposition im eigenen Land. Stets sind die USA an allem schuld. Politisch ist diese Darstellung der Dinge unterkomplex. Moralisch ist sie pure Heuchelei.

Der Frieden ist nicht erst bedroht, seit die USA Soleimani töteten. Auch die Russen führen Krieg. Und die regionalen Eliten sind zum Frieden ebenfalls nicht fähig. Wer all das ignoriert, dem geht es nur darum, Feindbilder zu pflegen.