Dieses Datum wird in die Geschichtsbücher der USA eingehen. Mit brutalem Druck und der knappsten Senatsmehrheit seit mehr als einem Jahrhundert hat Präsident Trump am 6. Oktober 2018 einen Coup gelandet, der Amerika nachhaltiger verändern wird als alle wilden Tweets des Wüterichs zusammen. In spätestens sechs Jahren muss Trump das Weiße Haus räumen. Doch die Vereidigung des 53-jährigen Brett Kavanaugh dürfte die konservative Mehrheit am Obersten Gericht für vier Jahrzehnte zementieren – mit gewaltigen Folgen für das Wahlrecht, die Abtreibungsfrage und die Waffengesetze.

Von Anfang an trug die Personalie Züge eines Kulturkampfs. Trumps reaktionäre evangelikale Fangemeinde erwartet von Kavanaugh ein Zurückdrehen des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch. Dass die lebenslange Berufung am Ende von Nötigungs-Vorwürfen überschattet wurde, hat den vermeintlichen Musterjuristen zum Idol all jener gemacht, denen die Me-Too-Bewegung als freiheitsberaubender Ausdruck der verhassten politischen Korrektheit gilt. Ob Kavanaugh in jungen Jahren tatsächlich Mädchen und Frauen sexuell belästigt hat, kann kaum noch aufgeklärt werden. Offensichtlich aber ist, dass er während der Anhörung unter Eid über seine früheren Alkoholexzesse gelogen und mit einer von Verschwörungstheorien und Beleidigungen durchsetzten Wutrede den letzten Anschein der Überparteilichkeit zerstört hat.

Anderswo würde das einen Friedensrichter disqualifizieren. In Trumps radikal zweigeteiltem Amerika bringt Ruchlosigkeit die entscheidenden Punkte. Je stärker die restaurative Anti-Me-Too-Stimmung die rechte Basis aufpeitschte, desto offener attackierte und verhöhnte der Präsident die Frauen, die Kavanaugh sichtbar verängstigt anklagten. Schon am Dienstag wird der neue Mann am Supreme Court beginnen. Sein Kampfauftrag ist klar: Er soll das Recht der Stärkeren sprechen.