Polizeibeamte haben einen physisch und psychisch bis aufs Äußerste fordernden Job. Sie müssen seelisch gestörte Paare voneinander trennen, betrunkene Obdachlose vor Supermärkten zur Räson bringen, gegen abhängige Drogendealer ebenso vorgehen wie gegen abgefeimte Kriminelle. Weil Kriminalität vermehrt in sozial schwachen Milieus auftritt und Nichtdeutsche dort häufiger anzutreffen sind, haben es Polizisten oft auch mit diesen zu tun. Es gehören gute Nerven genauso dazu wie charakterliche Festigkeit, um den sich daraus ergebenden Gefährdungen zu begegnen.

Warum diese Vorrede? Weil wir erleben, dass mit dem Staat und seinen Institutionen auch die Polizei zunehmend in die Bredouille gerät und – etwa in Sachsen – immer öfter ein bedenkliches Bild abgibt. Dabei sollte klar sein: In einem Land, in dem Menschen der Polizei nicht mehr vertrauen können, steht mehr auf dem Spiel als nur das. Das fehlende Vertrauen in die Polizei – siehe Brasilien, siehe USA – ist Indiz für eine Krise des ganzen sozialen Gefüges.

Polizei will Vertrauen zurückgewinnen

Die Sicherheitsbehörden haben, etwa im Juli in München, gute Arbeit geleistet. Sie haben dort besonnen auf den Amoklauf reagiert und alles getan, um die Bevölkerung nicht in Panik zu versetzen. Überhaupt hat sich das Kommunikationsverhalten verändert. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz geht ins Fernsehen, um einen Fahndungserfolg zu erläutern und ein Stück jenes Vertrauens zurückzugewinnen, das die Dienste im Zuge von NSU-Skandal und NSA-Affäre verloren haben. Der Präsident des Bundeskriminalamtes verhält sich ähnlich. Die Polizei kommuniziert via Twitter mit den Bürgern und gibt neuerdings über den Mitteilungsdienst Warnungen und Hinweise.

Den Sicherheitsbehörden ist nicht vorzuwerfen, dass sie den Flüchtlingsstrom unter Sicherheitsaspekten betrachten; das ist Teil ihrer DNA. Dieselben Politiker übrigens, die jetzt nach mehr Polizei rufen, haben das sicherheitsarchitektonische Grundgerüst jahrelang kaputtgespart. Keine Gewerkschaftspropaganda, sondern die Wahrheit.

Und es gibt Dinge, die Anlass zu Besorgnis geben. In Sachsen sind – von der Regierung geduldet – vor Flüchtlingsunterkünften teilweise rechtsfreie Räume entstanden. Beamte geben in Einzelfällen tödliche Schüsse ab, wo es womöglich auch andere präventive Mittel gegeben hätte. Die Opfer: nicht selten Ausländer.

Polizei droht zur Partei zu werden

Vertreter von Sicherheitsbehörden machen mitunter Stimmung gegen die jeweilige Regierung. Zugleich lässt der eine oder andere Polizist unverhohlen Sympathie für Rechtspopulisten erkennen, darunter der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, der in einem Buch den Eindruck erweckt, Deutschland als Ganzes sei so unsicher wie manche Favela in Rio de Janeiro. Wenn ein Polizist den Pegidisten von Dresden „einen erfolgreichen Tag“ wünscht, dann ist das nicht nur ein Versehen, das nicht so gemeint war, sondern wirkt vielmehr symptomatisch. Kurzum: Die Polizei droht unter dem Eindruck des herrschenden Rechtsrucks Partei zu werden.

Die Politik muss dem frühzeitig und entschlossen entgegentreten und darf es nicht durch eiskalte rhetorische Doppelbödigkeit auch noch befeuern. Dass der sächsische Innenminister nach augenscheinlich rechtsextremistischen Anschlägen den Verdacht auf Linksextremisten lenkt, ist mehr als besorgniserregend – und dass er den maßgeblichen Anteil der drei Syrer an der Verhaftung ihres Landsmanns absichtsvoll verschweigt, ist würdelos.

Es hilft allerdings nicht, die Autorität der Polizei infrage zustellen und ihre Repräsentanten zu attackieren, wie es mittlerweile auch „normale“ Bürger tun. Es mag romantisch klingen: Aber wer eine freundliche Polizei will, der muss ihr freundlich begegnen. Sie hat es bei ihrer schweren Arbeit verdient.