Mit Twitter wird Elon Musk endgültig zum Global Player

Wirtschaftlich mögen die Aktivitäten des umtriebigen Milliardärs faszinieren. Doch nun wird der Mann des Jahres zum Weltpolitiker mit globaler Medienmacht.

Auf diesem inszenierten Foto sind sie bereits vereint: Elon Musk und Twitter.
Auf diesem inszenierten Foto sind sie bereits vereint: Elon Musk und Twitter.AFP/Samuel Corum

Elon Musk muss nun Twitter wohl doch übernehmen. Im März hatte er dem Kurznachrichtendienst vorgeworfen, dass der keine volle Redefreiheit zulasse. In der Attitüde des reichsten Mannes der Welt sagte er: Ich kaufe den ganzen Laden. Später wollte er doch nicht, und beide Seiten verklagten sich gegenseitig. Nun, kurz vor Prozessbeginn, will Musk doch.

Glückwunsch. Die beiden passen gut zusammen. Musk ist ein Macher, ein Mann schneller Worte, schneller Entscheidungen. Twitter ist das Medium der schnellen Nachrichten. Wenn irgendwo eine Neuigkeit das Licht der Welt erblickt, denken die einen erst mal ernsthaft und abwägend darüber nach, was die News bedeuten könnte. Andere zimmern sich in Sekunden eine Meinung zusammen und twittern sie fröhlich in die Welt.

Twitter ist eine Art Schnellfeuergewehr für Meldungen und Meinungen, für Propaganda und Parolen, für Skandale und Solidarisierungen. Im positiven Fall wird aus einem Twitter-Aufruf eine gesellschaftliche Debatte wie bei „Me too“, im negativen Fall – leider viel öfter – werden einfach Fake News verbreitet.

Es mag viele irritieren, dass Musk nun auch noch in dieser Branche mitmischen will. Der Mann ist reich geworden mit dem Vorläufer von Paypal, einem Bezahlsystem für den Kauf im Internet; derzeit produziert er mit Tesla vor allem Elektroautos, will aber auch zum Mars fliegen und experimentiert mit künstlicher Intelligenz. Nun also Twitter. Das mag auf den ersten Blick nicht zusammengehören und würde wunderbar ins Bild vom launischen Genie passen.

Klingt nach Verschwörungstheorie?

Aber das muss nicht so sein. Kritiker werfen dem Wirtschaftsaufsteiger des Jahrzehnts schon lange vor, dass all seine Aktivitäten nur Bausteine sind auf dem Weg zur großen Kontrolle der Menschen. Der Vorwurf: Musk baut die Autos nicht, um die Branche ökologischer zu machen, sondern weil Autos fahrende Computer voller Kameras sind, die überall alles sehen. Sein Interesse am Weltall ziele angeblich vor allem auf ein weltumspannendes Netz an Satelliten. Mit Twitter wäre Musk nun in Abermillionen Handys präsent. Und all das verknüpft die künstliche Intelligenz zu einem globalen Big Brother. Klingt nach Verschwörungstheorie? Wer weiß.

Wenn es um Musk geht, ist immer Neid im Spiel. Aber wenn der reichste Mann der Welt sich eine der weltweit einflussreichsten Informationsplattformen kauft, sollten die demokratischen Alarmglocken schrillen. Denn selbst wenn Musk – immerhin in den  USA die Person des Jahres 2021 – nur das Allerbeste für alle will, hat er für einen einzelnen Menschen inzwischen zu viel Geld und Macht.

Er untersteht keiner demokratischen Kontrolle, ist kein Politiker und macht doch Politik. Zuerst betraf es nur die Wirtschaft: Mit dem Einstieg in die Autobranche hat er den von überheblichen deutschen Konzernen dominierten Markt gehörig aufgemischt. Inzwischen macht er Weltpolitik und stellt auch Ideen vor, wie der Krieg gegen die Ukraine am besten beendet werden könnte. Das mag manchen lächerlich erscheinen oder anmaßend. Aber er nimmt damit Einfluss.

Sein politisches Ansinnen wird vielleicht klarer vor dem 5. November 2024, vor der Präsidentschaftswahl in den USA. Donald Trump ist derzeit auf Twitter gesperrt, Musk will das ändern. Mit Twitter wird Musk endgültig zum Global Player.