Rom - Es grenzt fast an ein Wunder. Innerhalb weniger Tage hat sich Italien eine neue Regierung gegeben. Zu verdanken ist das nicht nur dem Druck von außen, der Angst der EU, dass die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone diese mit in den Abgrund reißen könnte. Zu preisen ist vor allem Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano. Der 86-Jährige hat die Weichen gestellt, unbestechlich, unbeirrbar, so schnell, dass den meisten im barocken Römer Politikbetrieb Hören und Sehen vergangen ist.

Italiens 63. Regierung der Nachkriegszeit, eine Notregierung, muss jetzt erledigen, was Generationen von Politikern nicht vermochten. Das Land heilen von den Berlusconi-Verheerungen kann eine Expertenregierung nicht.

Es wäre schon viel, wenn es Premier Mario Monti gelänge, die notwendigen Reformen einzuleiten und sich bis zu den Wahlen 2013 zu halten. Ob das gelingt, hängt allein von jener verantwortungslosen Politikerkaste ab, die das Land dorthin gebracht hat, wo es heute steht. Italien braucht noch etwas: etwas Zeit – und ja, auch das, Vertrauen. Das sollten die Partner in der EU einsehen, deren Regierungen, getrieben von entfesselten Finanzmärkten, selbst alles andere als ein überzeugendes Bild in der Krise abgeben.