Berlin - Ganz zum Schluss hat sich Stanislaw Tillich dann doch einmal einen Paukenschlag geleistet. Der stets bis zur Zaghaftigkeit leise sächsische Ministerpräsident verkündete seinen Rücktritt in einer Weise, die nicht zu überhören war. Mitten in die ersten Sondierungsgespräche zur Jamaika-Koalition in Berlin hinein platzierte er die Nachricht, das war der erste grobe Rempler. Der galt nur für den Augenblick und war so gesehen für Angela Merkel verkraftbar.

Der zweite aber wird ihr als CDU-Chefin und Bundeskanzlerin dauerhaft zu schaffen machen. Er gehe wegen des schlechten Ergebnisses der Sachsen-CDU bei der Bundestagswahl, sagt Tillich. Genauso gut hätte er Merkel auch auffordern können, gleich mit zurückzutreten. Und den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer obendrein. Denn Bundes-CDU und CSU haben bei der Bundestagswahl auch kräftig Federn gelassen.

CDU hat Verlust an AfD nicht kommen sehen

Dabei war Tillichs Rücktritt überfällig, die Bundestagswahl nur noch der letzte Auslöser. Die CDU hat in Sachsen mehrere Direktmandate an die AfD verloren und das offenbar nicht im Geringsten kommen gesehen. Tillich hat die Sachsen-CDU und das Land eher verwaltet als gestaltet. Eine Abgrenzung gegen ganz Rechts gelang ihm erst als es eigentlich schon zu spät war, überzeugend war sie da nicht mehr. In der CDU blickte man schon lange konsterniert Richtung Dresden.

Merkel wird versuchen, dem Ganzen das Positive abzugewinnen. Dem Ruf nach neuen Köpfen in der Partei lässt sich ein Name mehr entgegensetzen, auch wenn Tillichs Nachfolger Michael Kretschmer als dessen Generalsekretär die verzagte Linie der Partei mit bestimmt hat. Aber Tillichs Worte werden in CDU wie CSU nachhallen. In der CDU sind Rücktrittsforderungen an Merkel bislang zwar noch nicht zu hören. In der CSU allerdings gibt es die Seehofer-weg-Rufe bereits.